„Häusliche Gewalt darf weder tabuisiert werden noch ist sie Privatsache. Da die Opfer - meist Frauen und Kinder - dringend auf Hilfe angewiesen sind, muss die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisiert werden.“ Dieses Ziel verfolgt der „Runde Tisch EN gegen häusliche Gewalt“ bereits seit Jahren. Im November nehmen die Mitglieder den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen zum Anlass, um mit einer besonderen Aktion auf sich, ihre Arbeit und ihre Angebote aufmerksam zu machen.
„Mir geht ein Licht auf!“ heißt es zwischen Dienstag, 22. November, und Freitag, 25. November, an Info-Ständen in allen neun Städten des Ennepe-Ruhr-Kreises. Verteilt werden kleine LED-Lämpchen und Informationsmaterial, geboten werden Gespräche und Hintergründe. „Den Betroffenen wollen wir Mut machen, sich an Beratungsstellen, an das Frauenhaus oder an die Polizei zu wenden. Zeugen häuslicher Gewalt sollen ermuntert werden, Warnsignale zu beachten und Unterstützung anzubieten“, erläutert Petra Bedow, Gleichstellungsbeauftragte des Ennepe-Ruhr-Kreises und Geschäftsführerin des Runden Tisches. Die Palette der praktischen Hilfen sei groß. Sie reiche vom persönlichen Beratungsgespräch über Hinweise zu Rechten von Opfern und Verhaltensempfehlungen bis zur Aufnahme ins Frauenhaus.
Witten: Aktion am 22. November vor der StadtGalerie
In Witten ist Maria Grote, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, für die lokale Aktion verantwortlich. Diese wird am Dienstag, 22. November, von 16 bis 18 Uhr in der Stadtgalerie stattfinden. Dort wird auch Bürgermeisterin Sonja Leidemann erwartet.
Aktuelle Fallzahlen
Wie sinnvoll es ist, dass der Runde Tisch auch mehr als 10 Jahre nach seiner Gründung seine Ziele entschieden verfolgt, belegen unter anderem die aktuellen Fallzahlen. Allein in den letzten zwölf Monaten verzeichnete die Kreispolizeibehörde, die für alle Städte außer Witten zuständig ist, 206 Fälle häuslicher Gewalt und 123 Wegweisungen der Gewalttätigen aus Wohnungen, in 162 Fällen erfolgte eine Vermittlung der Betroffenen an Beratungsstellen. Für Witten lauten die vorliegenden Zahlen 83, 39 und 43.
„Obwohl die Zusammenarbeit von Fachleuten aus Justiz, Polizei, Opferschutz, Beratungsstellen, Frauenhaus, Frauenberatung und Gesundheitswesen sowie der Gleichstellungsbeauftragten der Städte und der Kreisverwaltung bereits einiges bewegt hat, müssen wir nach wie vor dafür arbeiten, die Situation für gewaltbetroffene Frauen zu verbessern und Gewalt öffentlich zu ächten“, macht Bedow deutlich.
Um dies zu schaffen, hat der Runde Tisch in den letzten Jahren regelmäßig auf kreisweite Aktionen gesetzt. 2004 wurden über die Bäckereien im Kreisgebiet 200.000 Brötchentüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ verteilt, 2005 überreichten die Apotheken ihren Kunden 50.000 Taschentücherpäckchen. Die Botschaft: „Keine Gewalt gegen Frauen. Wir haben die Nase voll!“. 2006 hieß es dann auf 180 Plakaten in Bussen „Gewaltfrei fahren Frauen besser - Keine Gewalt gegen Frauen“, 2007 verkündeten Banner, die über Straßen und an Rathäusern im Ennepe-Ruhr-Kreis hingen: „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt!“ und 2008 lautete die Aufschrift auf 10.000 Taschenkalendern „Die Zeit ist reif - Keine Gewalt gegen Frauen!“. 2009 ließen 1.000 Schirme „die Frauen nicht im Regen stehen“ und im letzten Jahr wurden 2.500 Eiskratzer mit dem Aufdruck „Eiskalt gegen häusliche Gewalt“ verteilt. „Die Reaktionen waren stets positiv. Es ist uns gelungen, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass häusliche Gewalt auch im Ennepe-Ruhr-Kreis stattfindet und ein Thema sein muss“, so Bedow.
Stichwort Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
Am 25. November 1960 wurden in der Dominikanischen Republik drei von vier Mirabal-Schwestern, die zu dieser Zeit im Untergrund gegen die damals dort herrschende Diktatur gekämpft hatten, vom militärischen Geheimdienst ermordet. Bei einem Treffen von lateinamerikanischen und karibischen Frauen 1981 in Bogotá, Kolumbien, gedachten die Teilnehmerinnen dieser ermordeten Frauen und riefen den 25. November zum internationalen Gedenktag aus. Seit 1999 ist er von den Vereinten Nationen anerkannt. So gilt der Mut der Mirabal-Schwestern weltweit als Symbol des Kampfes gegen menschenverachtende Tyrannei, als Symbol für das Eintreten gegen jegliches Unrecht, aber insbesondere gegen das Unrecht, wenn Frauen und Mädchen wegen ihres Geschlechtes missachtet, verfolgt, verstümmelt oder gar getötet werden.
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