1) Welche Stellen der Verwaltung haben in 2010 wie viele Gründungs- und/oder Fördermittelberatungen durchgeführt?
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 102 Gründungs- und Fördermittelberatungen durchgeführt. Im Vordergrund standen dabei Fragen zur Einschätzung der Geschäftsidee, weiteres Vorgehen bei der Gründungsplanung, Unterstützung bei der Erstellung von Businessplänen, Gründungsformalitäten und die Vermittlung von Kontakten. Die Fördermittelberatung beinhaltete die Recherche und Beratung zur Inanspruchnahme öffentlicher Programme in den Bereichen Existenzgründung, Betriebserweiterung, Ansiedlung, Personaleinstellung usw..
Im vergangenen Jahr wurden 32 Begutachtungen im Rahmen der Tätigkeit als fachkundige Stelle zur Beantragung von Gründungszuschuss (ALG I) und Einstiegsgeld (ALG II) erstellt.
An dem im Rahmen der Gründerwoche Deutschland 2010 zusammen mit IHK- Seniorexperten, Jungunternehmern und der Sparkasse Witten durchgeführten „Wittener Existenzgründerabend – Erfahrungsaustausch mit Experten und erfolgreichen Gründern“ nahmen 37 Gründungsinteressierte teil.
Das Amt für Wirtschaftsförderung, Standortmarketing und Universitätsentwicklung ist in dieser Angelegenheit federführend tätig.
2) Wie viele in 2010 von der Verwaltung begleitete Gründungs- und/oder Fördermittelberatungen haben zu einer echten „Existenzgründung“ im Sinne eines Haupterwerbs geführt? (Bitte ggf. unterteilen in Existenzgründungen aus Arbeitslosigkeit und Gründungen aus vorheriger sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung)
Insgesamt haben 44 begleitete Gründungs- und Fördermittelberatungen zu einer Existenzgründung im Sinne eines Haupterwerbs geführt. 36 dieser Gründer waren arbeitslos und bezogen Arbeitslosengeld I oder II. 8 Personen haben aus einer Beschäftigung heraus gegründet. Die IHK- Gründungsinitiative für die Wittener Innenstadt wurde 2010 mit einer 2. Wettbewerbsrunde fortgesetzt. Die Prämierung der 3 Gewinnerinnen erfolgte Anfang Februar 2011. 2 Gewinnerinnen haben zwischenzeitlich eine Vollexistenz gegründet. Die Gewinnerin des Marketingpreises ist bereits seit 2009 selbstständig.
3) Wie viele in 2010 von der Verwaltung begleitete Gründungen haben eine Eintragung in das Handelsregister zur Folge gehabt? (Bitte unterteilen in verschiedene Rechtsformen)
Bei den begleiteten Gründungen handelt es sich weitgehend um Kleingewerbetreibende, die anfangs nur geringe Umsätze erwirtschaften und damit keinen kaufmännischen Geschäftsbetrieb nach HGB erfordern. Die Gründung erfolgt üblicherweise als Einzelunternehmen. Die Gründung einer Kapitalgesellschaft ist aus finanziellen Gründen als Ausnahme anzusehen. Kleingewerbliche Unternehmen können sich freiwillig in das Handelsregister eintragen lassen, unterliegen damit aber den Rechten und Pflichten eines Kaufmanns nach dem HGB (u.a. Bilanzierungspflicht). Auswertungen haben ergeben, dass keine der begleiteten Gründungen eine Eintragung ins Handelsregister zur Folge hatte.
4) Wie viele in 2010 von der Verwaltung begleitete Gründungen haben in welcher Anzahl die Schaffung neuer Arbeitsplätze zur Folge gehabt? (Bitte ggf. Firmen und SVB-Zahl als Vollzeitäquivalent angeben)
Kleingründer verfügen in der Regel nicht über die Kapazitäten, in den ersten Jahren ihrer Gründung sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zu schaffen. Da die Gründung in den meisten Fällen aus der Arbeitslosigkeit heraus erfolgt, steht die Schaffung einer Existenzgrundlage und damit zunächst der eigene Arbeitsplatz im Vordergrund. Es ist bekannt, dass einige Gründer Minijobber zur Unterstützung eingestellt haben. Ein genauer Überblick besteht hierüber aber nicht.
5) Wie viele Gründungen in 2010 sind aus dem Umfeld der Hochschulen im FEZ und ZBZ erfolgt und wie viele Arbeitsplätze wurden dabei geschaffen? (Bitte ggf. Firmennamen nennen)
Im Jahre 2010 sind im FEZ die folgenden 3 Firmen (MitarbeiterInnen in Klammern) gegründet worden:
· EmploYour UG, studentische Gründung (5), Handelsregistereintrag UGmbH
· GWFA Global Water Franchise Agency GmbH, Ausgründung Prof. Rudolph GmbH (1-2), Handelsregistereintragung GmbH
· Westfalia Diagnostic Systems GmbH, Unternehmensverlagerung nach Witten durch den an der UWH studierenden Geschäftsführer (3), Handelsregistereintragung GmbH
Im ZBZ gab es folgende Gründungen mit Universitätsbezug:
· ORMED – Institute for oral Medicine at the University of Witten/Herdecke UG, Spinn-off der UWH (3)
· Elischa Projektmanagement Medical (2), Einzelunternehmen
6) Mit welchen Akteuren, welchem Budget und welcher Strategie möchte die Verwaltung wissens- und technologieorientierte Gründungen aus dem Hochschulumfeld gezielt in Witten herbeiführen? (Bitte ggf. Strategiepapier mit Instrumenten und Arbeitsplanung für 2011 beilegen)
Die Universität Witten/Herdecke ist der zentrale Impulsgeber für wissens- und technolgieorientierte Gründungen im Bereich Forschung und Entwicklung. Nach der Eröffnung der Universitätsgebäude auf dem Campusgelände an der Alfred-Herrhausen- Str. war die Errichtung des FEZ im Jahre 1995 der erste Schritt zur gezielten Förderung des Innovations- und Technologietransfers, die Existenzgründern aus dem Hochschulumfeld den Start erleichtern sollten. 125 Unternehmen, die insgesamt ca. 470 Arbeitsplätze brachten, haben seitdem das FEZ durchlaufen. Etwa 50 % davon kamen aus der Universität. Die Verweildauer betrug durchschnittlich zwischen 5 bis 8 Jahren. Derzeit sind 44 Firmen mit 145 Mitarbeitern im FEZ ansässig. An der Betreibergesellschaft sind die Universität, die Stadt Witten, die IHK mittleres Ruhrgebiet, der Verein zur Förderung des Technologietransfers und innovativer Existenzgründungen im Bezirk der IHK sowie Go Global - Impulse für den Mittelstand e.V. beteiligt.
Mit der Errichtung des Zahnmedizinisch-Biowissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungszentrums ZBZ im Jahre 2008 als Ausbaustufe des FEZ wurde mit Unterstützung des Landes eine Infrastruktureinrichtung zur Wirtschaftsförderung geschaffen, in der innovative Ideen aus der Medizin, den Bio-, Ingenieur- und Naturwissenschaften in marktfähige Produkte und Dienstleistungen auf dem Gebiet der Zahnmedizin, Zahntechnik und Biowissenschaften umgesetzt werden. Zielsetzung ist die Ansiedlung von innovativen Unternehmen und Firmengründern für die Zahnmedizin. Das ZBZ ist eingebunden in das gesundheitswirtschaftliche Netzwerk „MedEcon Ruhr“ und komplettiert das Biomedizinische Dreieck Ruhr (Biomed Triangle) mit den Hochschulstandorten und Biomedizinzentren Bochum, Dortmund und Witten. Hauptankermieter ist die Universitätszahnklinik als Forschungs-, Entwicklungs- und Weiterbildungspartner für innovative Unternehmen aus dem Umfeld der Zahnmedizin und Biowissenschaften.
Die angrenzenden Freiflächen bieten das Potenzial für weiteres Wachstum oder die Ansiedlung größerer Kooperationspartner. Das Zentrumsmanagement bietet für Gründer verschiedene Dienstleistungen an u.a. Start-up-Consulting, FuE-Partnering, Netzwerkmanagement, Unterstützung von Veranstaltungen usw. Zudem bieten die vorhandenen Netzwerke (Wirtschaftsförderung, UWH, FEZ, Netzwerk MedEcon Ruhr) Existenzgründern optimale Möglichkeiten, Kooperationen aufzubauen und Eintrittshürden zu beseitigen. Neben der Universitätszahnklinik, die seit dem Einzug ca. 10 neue MitarbeiterInnen eingestellt hat, haben sich seit der Eröffnung 8 Unternehmen mit ca. 20 – 25 Mitarbeitern/innen im ZBZ angesiedelt. Gesellschafter der Betreibergesellschaft ist die Stadt Witten.
Insbesondere Wettbewerbe haben sich als geeignetes Instrument erwiesen, um die Ansiedlung von innovativen Unternehmen zu forcieren. Die ZBZ Witten GmbH schreibt daher zusammen mit der Sparkasse Witten den „Wittener Gründerpreis Medizinwirtschaft“ aus. Der Preis richtet sich an Existenzgründer und junge Unternehmen aus dem Bereich Medizin und Biowissenschaften mit Bezug zur Zahnmedizin oder Zahntechnik und ist Bestandteil des von der Europäischen Union und dem Land geförderten Businessplanwettbewerbs Medizinwirtschaft der Startbahn MedEcon Ruhr GmbH. Hier wird im Weiteren auf die jeweils zeitnahe Berichterstattung im AWS hingewiesen.
Für potenzielle Existenzgründer aus dem Hochschulumfeld steht ein umfangreiches Beratungsangebot zur Verfügung. In regelmäßigem Turnus bieten die Wirtschaftsförderung und das von der IHK getragene Campus-Startercenter Sprechtage für Hochschulgründer an. Zum weiteren Angebot gehören Geschäftsideen-Checks, welche die Möglichkeit bieten, Geschäftsideen und die Überlegungen zu ihrer Umsetzung einem fachkundigen Kreis aus IHK-Seniorexperten und Wirtschaftsjunioren zu präsentieren und durch das Feedback Stärken und Schwächen der Planung zu erkennen.
Darüber hinaus gibt es Ansätze in Zusammenarbeit mit dem Campus-Startercenter die Professoren der UWH in das zurzeit im Aufbau befindliche „ Science- Angel Netzwerk“ einzubinden. Aufgabe der „Science-Angel“ soll es sein, erste Anlaufstelle für Gründungsinteressierte in ihrem Fachbereich zu sein. Kontakte und Vorbildfunktion der Hochschullehrer sollen dabei genutzt werden, die Einstellung und Motivation Studierender für das Thema „Gründung“ positiv zu prägen.
Die Wittener Wirtschaftsförderung ist seit 2010 Kooperationspartner des regionalen Gründerwettberwerbs „Senkrechtstarter“. Im Rahmen diese Wettbewerbs besteht auch für Hochschulabsolventen die Möglichkeit, am Seminarprogramm teilzunhemen und qualifizierte Businesspläne zu erstellen.
Die derzeitigen Aktivitäten (Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen etc.) erfolgen im Rahmen des insgesamt für alle Aufgabenbereiche verfügbaren Gesamtbudgets. Grundlage sind der jeweilige Haushaltsplan und die vorausgegangenen Haushaltsplanberatungen.
Mit freundlichen Grüßen,
gez. Leidemann

Stadt Witten | Marktstr. 16 | Postfach 2280 | 58449 Witten
Telefonzentrale: 02302 581-0 | E-Mail: rathaus@stadt-witten.de