Förderwettbewerb zum Landesprojekt Fachkräftemangel

Sehr geehrter Herr Noske,

zu Ihrer Anfrage nimmt der Fachbereich wie folgt Stellung:

Zu Frage 1:
Hat sich die Wirtschaftsförderung Witten an diesem Förderwettbewerb beteiligt?

Vor  dem Hintergrund der sich durch die demografische Entwicklung verschärfenden Fachkräftesituation hat die Landesregierung im Juni ein „Sonderprogramm Qualifizierung und Innovation zur Fachkräftesicherung“ beschlossen, mit dem Ziel, eine Fachkräftelücke möglichst zu verhindern und den Nachwuchs an Akademikern zu sichern. Nach Informationen aus dem Arbeitsministerium wird für jede Arbeitsmarktregion 1 Mio. € pro Jahr bis 2015 bereitgestellt.

Die 16 Arbeitsmarktregionen in NRW wurden dazu aufgerufen, in einer gemeinsamen Initiative mit den arbeitsmarktpolitischen Akteuren (Arbeitgebern, Kammern, Arbeitsverwaltungen und Arbeitnehmervertretungen) regionale Handlungspläne über die Regionalagenturen zu erstellen, die als Grundlage für die Entwicklung und Bewilligung konkreter Projekte dienen sollen.

Die Regionalagentur Mittleres Ruhrgebiet hat zwischenzeitlich einen Handlungsplan beim Land eingereicht. Man hat sich darauf verständigt, im Rahmen der Handlungsfelder einen branchenorientierten Ansatz unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten (Gesundheitswirtschaft/ Elektromobilität/ Verarbeitendes Gewerbe/ Logistik) zu verfolgen. Der Handlungsplan ist auf der Webseite der Regionalagentur http://www.regionalagentur.com/aktuelles  als Download abrufbar.

Im Zuge der Fachkräfteinitiative der Landesregierung hat die Region Mittleres Ruhrgebiet unter der Federführung der Bundesagentur für Arbeit und der IHK MR einen regionalen „Lenkungskreis Fachkräftesicherung“ gebildet, dem neben den Kammern, dem Arbeitgeberverband und dem DGB u.a. auch die Wirtschaftsförderungen der Städte Bochum, Herne, Hattingen und Witten angehören. Das Gremium hat die Aufgabe, die eingereichten Projektanträge mit einem regionalen Votum zu versehen und regionale Leuchtturmprojekte zu entwickeln.


Zu Frage 2:
Welches Datenmaterial liegt der Wirtschaftsförderung Witten aufgrund von Firmenbetreuungen/Firmenkontakten vor, die das Projekt unterstützen?

Ein Fachkräftemangel besteht bislang nicht generell und auch nicht flächendeckend, sondern ist regional und branchenspezifisch unterschiedlich ausgeprägt. Die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt in NRW fokussieren sich nach Angaben der Arbeitsagentur zur Zeit auf technische Bereiche (Maschinenbau- und Elektroingenieure, Metallberufe, Elektriker) sowie auf den Bereich Gesundheit und Pflege (Ärzte und nichtakademische Gesundheitsberufe, Altenpflegekräfte). Es gibt bislang aber kein detailliertes Datenmaterial dazu, welche Fachkräftebedarfe zukünftig nach Branchen und Qualifikationen vorliegen. Im Zuge der Fachkräfteinitiative ist jedoch vorgesehen, ein regionales Arbeitsmarktmonitoring aufzubauen. Hierbei sollen Befragungen von ausgewählten branchentypischen Unternehmen im Mittleren Ruhrgebiet durchgeführt werden. Im Rahmen von Firmenbesuchen der Wirtschaftsförderung wird das Thema zwar kontinuierlich abgefragt, allerdings wird dieses Problem ganz unterschiedlich betrachtet. Es ist beabsichtigt, 2012 mit einer systematischen Befragung zur Fachkräftegewinnung genauere Erkenntnisse über den Wirtschaftstandort Witten zu gewinnen.


Zu Frage 3:
Gibt es, unter Berücksichtigung der aktuellen Haushaltssituation Möglichkeiten, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen (ggfs. durch Änderung der Prioritäten)?

Der Kreis möglicher Antragsteller ist relativ weit gefasst (Unternehmen, Hochschulen, Gemeinschaftseinrichtungen der Wirtschaft, Arbeitsagenturen, Jobcenter, Kommunen etc.). Da die Förderquote allerdings nur  50% beträgt, werden von den beteiligten Städten in Anbetracht der Haushaltslage keine eigenen Projekte angemeldet. Als erstes Unternehmen in Witten hat die DEW KarriereWerkstatt eine Projektförderung beantragt. Zielsetzung der Maßnahme „KarrierePFAD“ ist die Erprobung spezifischer (modularer) Ausbildungskonzepte und Kompetenzbilanzierungsmethoden für berufserfahrene aber nicht formal qualifizierte Arbeitnehmer. Die Umsetzung erfolgt in Kooperation mit kleinen und mittleren Unternehmen aus dem EN-Kreis und der Märkischen Region.  Die Frist für die Einreichung von Projekten aus der Region endet am 31.3.2012.



Zu Frage 4:
Wurde bzw. wird das Projekt innerhalb des Kreises der Nachbarregionen abgestimmt?

Die Organisation der Fachkräfteinitiative erfolgt innerhalb sog. Arbeitsmarktregionen. In der Region Mittleres Ruhrgebiet sind die arbeitsmarktoplitischen Akteure in dem o.g. „Lenkungskreis Fachkräftesicherung“ vertreten, dem die Abstimmung der Projekte obliegt. Darüber hinaus bestehen auf Grund der Kreisangehörigkeit der Städte Witten und Hattingen ebenfalls Kontakte zur Märkischen Region, die über die EN-Agentur organisiert werden. Die EN-Agentur hat das Thema Fachkräftemangel bereits seit geraumer Zeit aufgegriffen und bietet kreisweit verschiedene Veranstaltungen für Unternehmen zum Thema Personalgewinnung an. Die Wittener Wirtschaftsförderung plant zusammen mit der EN-Agentur und der DEW-Karrierewerkstatt eine Veranstaltung zum Thema Fachkräftegewinnung im Frühjahr 2012. Darüber hinaus bereitet die Wirtschaftsförderung Witten zusammen mit der DEW-Karrierewerkstatt und den Stadtwerken Witten die 1. Wittener Nacht der Ausbildung am 29.06.2012 vor. Die Ausbildungsmesse ergänzt die vorhandenen Angebote in Ennepetal und Bochum.

Erwähnenswert unter dem Thema Fachkräftegewinnung ist auch die Landesinitiative “Frau und Wirtschaft”. Das MGEPA NRW fördert insgesamt 16 Kompetenzzentren Frau und Beruf mit dem Ziel, die berufliche Gleichstellung von Frauen voranzutreiben und die Erwerbsbeteiligung von Frauen nachhaltig zu verbessern und zu steigern.

Für die arbeitsmarktpolitische Region Mittleres Ruhrgebiet haben die Städte Bochum, Hattingen, Herne und Witten ihr Interesse an der Übernahme der Trägerschaft eines Kompetenzzentrums beim Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW bekundet. Die Stadt Bochum hat im Verbund mit den Kooperationsstädten Hattingen, Herne und Witten den Antrag bei der Bezirksregierung Düsseldorf gestellt. Beantragt wurden vier Fachstellen (2 Bochum, 1 Herne, 0,5 je Witten und Hattingen, sowie eine Sachbearbeiterstelle. Darüber hinaus wurde beantragt, dass  Personal vor Ort einzusetzen mit dem Ziel, eine bessere regionale Ausrichtung zu ermöglichen. Dies hat der Fördergeber inzwischen abgelehnt und fordert die Einrichtung des Kompetenzzentrums an höchstens zwei Standorten. Über die Förderung der beantragten 4 Fachstellen liegt noch kein Bescheid vor.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Leidemann

 

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