Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte

Beratungsteam Frau Tölle und Herr Pietraszek

Neue Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte im Rathaus. Wir sehen weiter: ‚Wenn die Welt dunkel wird, bleibt das Leben bunt’

Die ersten Frühlingsblumen verwandeln unsere Stadt bald wieder in eine bunte Pracht. Doch was ist, wenn der Frühling plötzlich in einem grauen Kleid vor dem Fenster auftaucht? – Von Altersblindheit sind immer mehr Wittener betroffen. Hilfe gibt es jetzt in einer neuen Beratungsstelle im Rathaus. 

Hoffnung schöpfen 

Unter dem Motto „Wir sehen weiter“ stehen Marion Tölle und Siegmund Pietraszek künftig Betroffenen mit einem offenen Ohr zur Seite. Denn wenn die Welt plötzlich mehr und mehr in Dunkelheit versinkt, muss nicht zwingend auch das Leben trist und grau verlaufen. Das hat Siegmund Pietraszek aus eigener Erfahrung gelernt: „Ich war zunächst geschockt, als ich vor rund 20 Jahren erfuhr, dass meine Sehstärke abnehmen wird. Doch mittlerweile habe ich mich damit abgefunden. Die Krankheit ist schleichend, doch das Leben geht weiter.“ Dieses positive Denken möchte der gebürtige Bochumer anderen Menschen mit auf den Weg geben, der durchaus kein dunkler sein muss. „Es gibt so viele Hilfsmittel, wie Leselupen, sprechende Uhren oder Telefone mit großen Tasten“, weiß Pietraszek. 

Mut machen 

Gemeinsam mit Marion Tölle will er Betroffene umfassend informieren und ihnen vor allem auch Mut machen. „Da wir beide selbst ebenfalls betroffen sind, können wir uns besser in diese Menschen hineinversetzen und sensibel auf sie eingehen“, sagt Marion Tölle, die auch Vorsitzende vom Wittener Blinden- und Sehbehindertenverein ist. Auf ihrem Laptop will sie die jeweiligen Bedürfnisse der Betroffenen festhalten und sie durch eine individuelle Beratung langsam an ihre neue Lebenssituation heranführen: „Wir möchten die Leute motivieren, wieder am sozialen Leben teilzuhaben.“ 

Öffnungszeiten 

Die Blinden- und Sehbehindertenvereine in NRW führen seit drei Jahren das Projekt „Wir sehen weiter“ durch. Ausgangspunkt ist die Prognose, dass die Zahl der älteren blinden und sehbehinderten Menschen aufgrund des demografischen Wandels weiter zunimmt. Die Beratungsstelle in Witten ist künftig an jedem ersten und dritten Dienstag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Und zwar in Zimmer 232.

Quelle: Lokalausgabe der Ruhr Nachrichten
Foto Jörg Fruck (von links Marion Tölle und Siegmund Pietraszek)

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