Bettina Nimz

Bettina Nimz

Bettina Nimz, geboren 1970 in Witten, hat nach dem Fachabitur (1988) eine Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen, neun Jahre als Krankenschwester im Evangelischen Krankenhaus in Witten gearbeitet und war drei Jahre stellvertretende Stationsleiterin. Nach der Geburt ihres Sohnes im Dezember 2000 ist sie beruflich kürzer getreten und hat ihren Beruf nach der Trennung von ihrem Ehemann 2004 ganz aufgeben müssen. Es folgte Arbeitslosigkeit. Nach einer sechsmonatigen Weiterbildung zur Büroassistentin 2007 ist sie seit August 2008 in Teilzeit als Schulsekretärin tätig und mittlerweile geschieden.

„Immer positiv denken, sich nie aufgeben und durchkämpfen.“

Montag, 26.1.2009

20.35 Uhr: So, nun schreibe ich also mal wieder Tagebuch. Habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Zuletzt als Teenager und das ist schon so lange her. In meinem Horoskop stand auch, ich soll diese Woche mal wieder Tagebuch schreiben. Zufälle gibt es! Passt ja irgendwie. Heute war ein ganz normaler Montag. Bei  dem kalten und dunklen Wetter ist mir das Aufstehen um 6 Uhr schwer gefallen. Den Kaffee habe ich schnell geschlürft, kurz durch die Zeitung geblättert, dann Sebastian (meinen Sohn) geweckt. Brauchte ihn tatsächlich nur dreimal (!) zu wecken, bis er endlich aufstand. O Wunder! Dann das Schulbrot gemacht und Frühstück. Sebastian musste ich wieder ein wenig antreiben. Mach, trödle nicht so herum, schneller! Wir haben dann aber doch alles pünktlich geschafft. Das Auto frei gekratzt und los. 7.30 Uhr. Immer ein wenig im Stress. Auf der Arbeit war es ein eher ruhiger Montag, genau richtig zum Einstieg in die Woche. Die Arbeit macht mir wirklich Spaß und die Zeit war schnell um. Habe nachmittags erst einmal mit Sebastian die Hausaufgaben zu Ende gemacht (eigentlich sollte das ja in der Ganztagsschule passieren). Er hat geweint, weil er nicht alles geschafft hat in der Betreuung. Dann habe ich mit Barbara telefoniert und wir haben uns für nächste Woche verabredet. Sie kommt mit Philip vorbei, wir können quatschen und die Kinder spielen. Darauf freue mich schon, denn ich habe sie länger nicht gesehen.

Dienstag, 27.1.2009

20 Uhr: Sebastian ist jetzt im Bett, nach einigen Diskussionen und mit Widerworten. Muss man alles ausdiskutieren mit seinem achtjährigen Sohn? Ich glaube nicht. Mein Sohn scheint das aber anders zu sehen. Er hat mal wieder eine Phase, in der er gerne testet, wie weit er gehen kann. Das ist zurzeit etwas anstrengend. Klar, in anderen Familien ist es sicher nicht viel anders. Da muss ich jetzt wohl durch, aber leider allein. Heute Morgen war Mutti da und hat Sebastian fertig gemacht für die Schule. Ich konnte pünktlich los zur Arbeit. Das war natürlich stressfreier, weil ich nicht so einen Zeitdruck hatte. Ich bin ihr auch sehr dankbar dafür, dass sie mir ab und zu morgens hilft, besonders an den Tagen, an denen ich schon um 7.45 Uhr arbeiten muss.
Heute war wieder gut zu tun, aber die Schule, an der ich heute war, ist ja auch
größer. Da ist Konzentration gefragt, wenn viele Dinge zu erledigen sind. Ich
merke, dass mir manchmal noch die Erfahrung und die nötige Gelassenheit fehlen. In der Pause war es wirklich lustig. Eine Lehrerin hatte heute Silberhochzeit und da war natürlich gute Laune angesagt. Mir wurde von zwei weiteren Lehrern das „Du“ angeboten. Ich glaube, man scheint sich an mich zu gewöhnen. Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, weil ich noch zwei Briefe beantworten muss, die schon länger liegen. Mir fehlt aber die nötige Zeit und Ruhe dazu. Na ja, Urte und Gabi schreiben auch nicht immer so schnell zurück. Eigentlich sind noch viel mehr Dinge zu erledigen. Ich wollte auch noch mit Sebastian lesen üben und ihm vorlesen. Es tat mir richtig leid, es wieder auf morgen verschieben zu müssen. Ich fühle mich nicht gut dabei. Die Zeit ist manchmal einfach zu knapp. Der Tag ist so schnell um. Abends habe ich aber noch meine Bügelwäsche erledigt, wenigstens etwas.

Mittwoch, 28.1.2009

20.45 Uhr: Habe die Nacht gut geschlafen, aber Sebastian hat mich mit seiner
Trödelei heute Morgen wieder geärgert. Habe ein wenig gemeckert. Vielleicht
auch etwas mehr. Obwohl ich zugeben muss, dass das auch nicht viel geholfen
hat. Eher im Gegenteil. Vielleicht mache ich mir den Stress manchmal auch
selbst und sollte einfach mal ruhiger werden. Wir sind schließlich nur Menschen
und keine Maschinen. Niemand ist perfekt und eigentlich geht es morgens ja
immer ganz gut. Nach der Arbeit habe ich noch schnell eingekauft. Irgendetwas
fehlt ja immer. Schnell Essen gemacht und ein wenig aufgeräumt, die Waschmaschine angestellt und dann kam auch schon Sebastian aus der Schule. Die Zeit verflog nur so heute. Dabei wollte ich noch mehr schaffen.
Der Besuch bei Oma und Opa war toll. Ich habe gesehen, wie sehr Sebastian
diese gemeinsame Zeit genießt. Opa macht aber auch immer Quatsch mit ihm.
Das gefällt ihm. Bin mal gespannt darauf, wie er sich freut, wenn er hört, dass er Freitag dort schlafen kann. Ich habe nämlich mal „Ausgang“. Kommt ja nicht
so oft vor und das werde ich auch genießen. Morgen werde ich wohl meinen
Ex-Mann anrufen müssen. Sebastian möchte doch nicht bei Papa übernachten.
Eigentlich wollte er ja am Wochenende dort bleiben, aber heute sagte er mir, er möchte lieber zu Hause schlafen. Er traut sich nicht. Es ist fast zwei Jahre her, seitdem er das letzte Mal dort geschlafen hat. Da werde ich bestimmt wieder ein paar böse Worte hören von meinem Ex-Mann. Ich hätte das Kind beeinflusst und ihm die Übernachtung ausgeredet und eigentlich hätte ich sowieso wieder Schuld. Ich habe mir vorgenommen, gelassen zu bleiben und mich nicht provozieren zu lassen. Aber ich weiß auch, dass das nicht einfach wird.

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