Dorota Liss

Dorota Liss, geboren 1971 in Tczew, ausgebildete Musiklehrerin, wohnt seit drei Jahren in Turze bei Tczew. Sie ist seit 19 Jahren mit S³awomir (S³awek) verheiratet und hat fünf eigene Kinder: Maciej (17), Marta (15), Weronika (11), Miko³aj (10), Maks(ymilian) (3) und das Pflegekind Emil (1). Zurzeit ist sie selbstständig im Direktvertrieb tätig. Ihre Leidenschaft ist die Familie und Kontakte zu anderen Menschen. Sie ist Vorsitzende des Landfrauenkreises in Turze und sie hat ein großes Haus mit einem Garten, in dem der Hund Drops, eine Katze, fünf Ziegen und zwei Schafe herumlaufen. Über sich selbst sagt sie: „Ich schreite mit den Füßen über der Erde, mit dem Kopf bin ich aber in den Wolken.“

„Finde deine Stimme, inspiriere andere, damit sie auch ihre Stimme finden.“

Montag, 24.11.2008

In der letzten Zeit nahm unser neuer Mitbewohner, Emil, das Kind, für das wir seit dem 10. September seine Pflegefamilie sind, meine meiste Zeit in Anspruch. Jeden Tag lerne ich neue Dinge kennen, die mit seiner Behinderung und den Therapiemöglichkeiten verbunden sind. Ständig suchen wir nach neuen Möglichkeiten. Gut, dass ich einen lieben Mann habe, der morgens als erster aufsteht, das Frühstück für unsere Kinder vorbereitet, sie weckt und sie zur Schule fährt. Heute beginnt sie um 7.30 Uhr. Ich kann ein bisschen länger liegen bleiben. Maks wachte kurz vor acht auf, ich zog ihn an und brachte ihn mit dem Auto zum Kindergarten – er schaffte es zum Frühstück. Anschließend habe ich Zeit für Emil: tägliche Übungen, das Füttern, das Aufräumen … Um 12 Uhr fahren wir zur Therapiestunde bei der Neurologopädin Ilonka (sie ist unser guter Geist; dank der Gewissheit, dass ich ihre Unterstützung bekomme, entschied ich mich, Emil aus dem Krankenhaus zu holen). Danach Physiotherapie bei Jacek, der sich bemüht, unseren Schützling zu mobilisieren. Um 14.30 Uhr hole ich Maciej und Miko³aj ab. Auf dem Weg nach Hause fahren wir am Kindergarten vorbei, um Maksymilian abzuholen (er mag es, als letzter nach Hause zu gehen, denn er liebt den Kindergarten). Zu Hause essen wir Reste vom sonntäglichen Mittagessen. Alles spielt sich in Eile ab, weil ich um 17 Uhr einen beruflichen Termin habe. Ich mag meine Arbeit, sie gibt mir die Möglichkeit, ständig neue Menschen kennen zu lernen – ich arbeite im Direktvertrieb. Heute ist die Präsentation im Nachbardorf. Während meiner Abwesenheit kommt der Rest der Familie nach Hause: Marta nach zusätzlichen Sprachstunden und Weronika nach ihrem Cello-Unterricht (Hörbildung und Musikprogramme). Sie kamen spät nach Hause, gegen 20 Uhr. Als ich wieder da war, machten sich alle bettfertig. Die kleinsten Jungs schliefen schon, die Mädchen machten Hausaufgaben. Maciej und Miko³aj melkten die Ziegen, mein Mann ruhte sich aus. – Der Montag ist vermutlich der schwierigste Tag der Woche.

Dienstag, 25.11.2008

Heute war es wesentlich ruhiger. Morgens machte S³awek wie immer das Frühstück und die Schulbrote und brachte die Kinder wieder um 7 Uhr zur Schule. Maks schlief glückselig, also weckte ich ihn nicht. Emil wachte zuerst auf. Die täglichen Behandlungen füllten den Morgen. Weil wir es nicht geschafft hatten, zum Frühstück im Kindergarten zu sein, hatte ich Gesellschaft bei meinem Morgenkaffee. Um 9 Uhr gingen wir gemütlich zu Fuß zum Kindergarten. Heute musste ich mich nicht beeilen. Zum Mittagessen gab es Tomatensuppe und Pfannkuchen mit selbst gemachtem Ziegenquark. Wenn ich zu Hause bin, koche ich gern die Leibgerichte meiner Kinder. Mit Maria und Magda aus dem Landfrauenkreis arbeitete ich an den letzten Planungspunkten des Andreastag-Festes (Andrzejki).47 Zu diesem Fest, das gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr organisiert wird, haben wir die ältesten Bewohner unseres Dorfes eingeladen. Es sind über zwanzig Personen, alle älter als 70 Jahre. Heute bestätigten wir die Teilnehmerzahl und legten fest, wer wen abholt. Ich muss hinzufügen, dass es das erste Fest dieser Art in unserem Dorf ist. Diese Idee rief große Begeisterung bei den Ältesten hervor.

Mittwoch, 26.11.2008

Mittwochs fahren wir zur Therapie bei Ilonka zur (für uns) frühen Stunde um 9.30 Uhr. Ich stand also früher als an anderen Tagen auf. Schnell packte ich den gewickelten und gefütterten Emil zusammen mit Maks ins Auto. Nach der Therapie haben wir Zeit, Freunde zu besuchen – heute sind wir bei Lusia, der Hebamme, die vor drei Jahren Maksymilian half, auf die Welt zu kommen. Ich treffe mich gern mit ihr, wir können immer über alles reden. Am Nachmittag arbeite ich. Meine heutigen Kunden hatten eine interessante Sammlung: 1500 kleine Fläschchen (je 100 ml) mit verschiedenen Alkoholsorten, eine ganze Wand voller Regale. – Als ich wieder zu Hause war, hörte ich mir mit Freude die täglichen Berichte meiner Kinder an. Jedes von ihnen hat etwas zu sagen, erzählte von den Erfolgen und Niederlagen des Tages. Ich mag diese abendlichen Gespräche, ich mag es, zu wissen, was meine Kinder beschäftigt. Emil ist heute erstaunlich lange wach, jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, rollt er sich in seinem Bettchen hin und her. Er bedeutet für uns eine große Herausforderung, aber auch eine große Freude.

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