Das neue Ruhr Museum in Essen – Wittens „Engelbert“ ist bedeutende Leihgabe!

Engelbert

5.000 Quadratmeter Ruhrgebiets-Geschichte - das ist das neue Ruhr Museum, das seit dem 9. Januar auf dem Welterbe Zollverein besucht werden kann.

Die Dauerausstellung vereint Geschichte, Naturkunde, Archäologie und Fotografie der Region unter dem Dach der ehemaligen Kohlenwäsche. Mehr als 5.000 Exponate aus allen Sammlungsbereichen des Museums und mehr als 1.000 Leihgaben aus allen wichtigen Museen und Archiven des Ruhrgebiets dokumentieren die Historie und das Selbstverständnis der Region. Das Ruhr Museum geht zurück auf das 1904 gegründete Ruhrlandmuseum der Stadt Essen, eines der ältesten und traditionsreichsten Museen der Region.

Zu den bedeutendsten Leihgaben der neuen Ausstellung gehören u.a. das Karolingische Evangeliar und der liturgische Kamm des heiligen Altfrid aus dem Essener Domschatz, die Schädelkalotte des "ältesten Westfalen" aus der Hagener Blätterhöhle, archäologische Funde aus der Zeit der Varusschlacht aus Haltern und Xanten, der berühmte Atlas Minor des Duisburger Kartographen Gerhard Mercator und die lebensgroße Statue des Bischofs Engelbert aus dem Märkischen Museum Witten. Der Ausstellungs-Parcours beginnt in der Gegenwart und befasst sich danach mit den Themenbereichen Gedächtnis und Geschichte.

Jährlich sollen ca. 150.000 Besucher in das neue Ruhr Museum kommen. Informationen unter www.ruhrmuseum.de

Stichwort „Engelbert"

Gefunden wurde sie von Kindern auf dem Dachboden des Pfarrhauses in Gevelsberg: die ursprünglich überlebensgroße Holzfigur Engelberts des II., genannt „Der Heilige". Die romanische Statue ist wohl unter Kölner Einfluss im Rheinland um 1230 entstanden und durch Kauf in einem damals schon sehr defekten Zustand 1888 aus Gevelsberg in den Besitz des Museums gelangt.

Der dargestellte Engelbert II. war Graf von Berg, seit 1216 auch Erzbischof von Köln, Herzog von Westfalen und im Auftrag Friedrichs des II., der als stauffischer Kaiser in Sizilien residierte, Reichsverweser diesseits der Alpen und gleichzeitig dessen Sohnes Heinrich Vormund. Man kann sich vorstellen, welch ungeheure kirchliche und weltliche Macht in dieser Person gebündelt war. In wenigen Jahren (er ist um 1185 geboren) war Engelbert zur mächtigsten Figur der deutschen Politik geworden.

Dieser Hintergrund muss berücksichtigt werden, wenn bis heute die Gründe seines Todes nicht eindeutig geklärt werden können: Erzbischof Engelbert wurde am 7. November 1225 in einem Hohlweg bei Gevelsberg aus einem Hinterhalt heraus überfallen und mit mehr als 40 Hieben und Stichen getötet. Den Überfall hatte ein Verwandter Engelberts (der Sohn seines Vetters, des Grafen Arnold von Altena), der Graf Friedrich von Isenberg, geleitet. Nicht eindeutig ist geklärt, ob Engelbert einem geplanten Mord zum Opfer gefallen ist oder ob er bei einer versuchten Geiselnahme getötet wurde.

Die Wittener Skulptur, die sicherlich zu den bedeutendsten Kunstwerken der Romanik gezählt werden muss, wird unmittelbar nach der Ermordung Engelberts hergestellt worden sein und in dem 1235 in Gevelsberg gegründeten Zisterzienserinnenkloster Aufstellung gefunden haben. Die Skulptur ist aus doppeltem Grund von Interesse: Zum einen ist es ihr hoher kunstgeschichtlicher Wert, zum andern aber auch die geschichtliche Bedeutung, die ihr beigemessen werden muss.

In einem sehr aufwendigen und mehrjährigen Verfahren wurde die Figur konserviert und ist seit 1988 wieder der Öffentlichkeit zugänglich. (Text: Märkisches Museum Witten)

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