Skulpturen-Schau im Stadtgebiet: Sehenswertes in Sichtweite

Beck Skulptur am Saalbau

Blickt man in die Stadtkasse, so ist Witten alles andere als reich. Dafür ist das Stadtbild aber reich an Kunstwerken. Das führt ab 19. Juni die Ausstellung „sehenswert! - Skulptur in Witten“ an vielfältigen Beispielen vor Augen.

Die bis zum 25. Juli laufende Ausstellung als Beitrag zur Local Hero-Woche ist die umfassendste Bestandsaufnahme zu Skulptur im öffentlichen Raum, die es in Witten bisher gegeben hat - vor allem „unter Qualitätsaspekten“, wie Prof. Manfred H. Wolff, erster Vorsitzender des Kunstvereins Witten, betont. Es ist ein gemeinsames Projekt von Kunstverein, Kunstinitiative Witten und Kulturforum. Etwa 50 Skulpturen von 16 Künstlern umfasst die Schau.

Es geht aber nicht nur darum, Bestehendes durchzuhaken, sondern neue Spannungsbezüge zu schaffen. So werden den Skulpturen von Gerlinde Beck und Volkmar Haase am Saalbau Zeichnungen und Objekte der beiden Künstler im Gebäude-Inneren entgegengestellt.

Im Märkischen Museum „reiben“ sich aktuelle Werke von Christiane Schlieker-Erdmann und Harald Kahl an Skulpturen von Diethelm Koch und Rudolf Wachter aus dem Museumsbestand.

Obwohl sich Skulpturen in vielen Wittener Stadtteilen befinden, wird die Ausstellung den Blick auf zentrale Quartiere und Achsen lenken: Vom Umfeld des Saalbaus (Beck, Haase, Lutz Quambusch) hinüber zum Märkischen Museum (Clemens Pasch, Anna Kubach-Wilmsen, Herbert Lungwitz, Kurt Grunschehl, Kahl, Koch, Schlieker-Erdmann, Wachter) und schließlich hinauf in die atmosphärische Eingangshalle des Stadtwerkehaus an der Dortmunder Straße (Erich Hauser, Wolfgang Schmidt, Klaus Schröder, Bettina Thierig, A. D. Trantenroth). Das Saalbau-Areal sieht Kulturforum-Chef Dirk Steimann übrigens als städtebauliche Besonderheit, weil es ein „Flächenkunstwerk“ ist. Das heißt, dass die Skulpturen und der Platz in ihrer Gestaltung damals aufeinander abgestimmt wurden, um ein Gesamtkunstwerk zu ergeben.

Interessant ist die Idee, das Wasserwerk an der Bommeraner Brücke für zwei Tage (3. und 4. Juli, jeweils bis 18 Uhr) als offenes Atelier einzubeziehen. Dort können Besucher dann Wittener Künstlern bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Spannend dürfte auch das 19. Wittener Kunstgespräch am Freitag, 25. Juni, 16 Uhr, im Märkischen Museum werden. Denn dann wird Dr. Uwe Rüth, langjähriger Leiter des Skulpturenmuseums in Marl über Kunst im öffentlichen Raum referieren. Und hoffentlich auch diskutieren, denn für ihn ist sie mehr als nur Schmuck, sie soll den Raum neu definieren und den Betrachter herausfordern.

Außerdem wird es zwei geführte Exkursionen von Experten geben, die den Blick der Teilnehmer für die Skulpturen im öffentlichen Raum schärfen wollen. Eine findet zu Fuß statt (9. Juli), die andere mit dem Fahrrad (23. Juli). In beiden Fällen dürfte das Motto für Kunstfans lauten: Der Weg ist das Ziel.

Empfehlenswert als Vorbereitung ist das bereits 2006 erschienene Buch „Skulpturen, Brunnen und Male in Witten“ (19,80 Euro) von Manfred H. Wolff, Detlef Thierig und Harald Kahl mit Hintergrundinformationen zu zahlreichen Künstlern und Werken.

Quelle: WAZ  (09.06.2010) Michael Vaupel

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