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Kultursommer im Zelt

„ANDERS NORMAL! Revision einer Sehschwäche“: Museum geht mit Ausstellung neue Wege

Gehen mit der Ausstellung neue Wege (v.r.): Vorständin des Kulturforums Jasmin Vogel und Museumsassistentin Claudia Rinke. Foto: Jörg Fruck

Gender Gap in der Kunst – diesem wichtigen Thema widmet sich das Märkische Museum Witten im Herbst/Winter 2021/22 ab dem 2. Oktober mit der Ausstellung „ANDERS NORMAL! Revision einer Sehschwäche“. Darin werden 50 Künstlerinnen aus dem Museumsbestand und Werke von Johanna Reich präsentiert.

„Weibliche Kunstschaffende sind auf dem Kunstmarkt und in der musealen Praxis in der Vergangenheit, aber leider auch heute immer noch unterrepräsentiert. Dies ist ein Beispiel dafür, dass in unserer Gesellschaft noch lange keine Gleichstellung der Geschlechter erreicht ist. Die Geschichte und Sammlung des Märkischen Museums steht stellvertretend für diese Defizite, auf die wir mit der Ausstellung aufmerksam machen wollen“, sagt Jasmin Vogel, Vorständin des Kulturforums Witten. 

Werke aus der eigenen Sammlung von 1900 bis heute

Das Märkische Museum Witten stellt in der Ausstellung „ANDERS NORMAL! Revision einer Sehschwäche“ Werke von 50 Künstlerinnen aus dem eigenen Bestand vor. Es werden Gemälde, Grafiken und Skulpturen von etwa 1900 bis zur Gegenwart zu sehen sein. Darunter befinden sich bekannte Künstlerinnen wie Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter und Käthe Kollwitz. Aber auch viele regionale Künstlerinnen, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind und in den letzten Jahren wiederentdeckt werden, sind vertreten, zum Beispiel Ida Gerhardi (1862-1927), die um 1900 lange Zeit in Paris lebte und als Porträtmalerin große Erfolge feierte, die Hagener Künstlerinnen Lis Goebel (1884-1970) und Grete Penner (1892-1972) sowie der Wittener Künstlerin Elisabeth Schmitz (1886-1954). Mit Gerlinde Beck (1930-2006), Rissa (*1938), Maina-Miriam Munsky (1943-1999) und vielen anderen, sind wichtige Künstlerinnen der 1960er bis 1990er-Jahre zu sehen. Die Vielfältigkeit der künstlerischen Themen und Ausdrucksmöglichkeiten wird anhand zeitgenössischer Kreativer wie Frauke Dannert (*1979), Anna Holzhauer (*1980) oder Kirsten Krüger (*1966) sichtbar.

Neben der Präsentation der eigenen Sammlung hat das Märkische Museum Witten die Kölner Multi-Media Künstlerin Johanna Reich (*1977) mit ihrer Arbeit „RESURFACE“ eingeladen. In diesem sich ständig erweiterndem Projekt setzt sie sich mit dem Verschwinden und Wiederentdecken von Künstlerinnen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts auseinander. Die Frauen werden in verschiedenen Medien anhand von Porträts und Biografien gezeigt und es wird somit verdeutlicht, wie zahlreich Frauen in der bildenden Kunst aktiv waren und in unserem kulturellen Gedächtnis in Vergessenheit geraten sind.  

Ministerin Pfeiffer-Poensgen als Schirmherrin

Das Märkische Museum freut sich sehr, dass Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Schirmherrschaft der Ausstellung übernimmt. Sie sagt dazu: „Die Ausstellung ‚ANDERS NORMAL! Revision einer Sehschwäche‘ im Märkischen Museum Witten widmet sich der historischen und aktuellen Unterrepräsentation von Künstlerinnen. Anhand der eigenen Sammlung schafft das Museum damit einen Reflexionsraum, der Defizite bewusst macht und dem wichtigen Diskurs rund um Geschlechtergerechtigkeit in der Kunst Nachdruck verleiht. Ich habe gerne die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen, denn sie trägt dazu bei, die über lange Strecken chronische Unsichtbarkeit von Künstlerinnen aufzuzeigen und aufzuarbeiten.“

Die Ausstellung wird kuratiert von Claudia Rinke, Mitarbeiterin des Märkischen Museums Witten. Im Verlag Kettler erscheint ein Katalog, der die Künstlerinnen in Text und Bild vorstellt. Ein umfangreiches Rahmen- und Vermittlungsprogramm für unterschiedliche Zielgruppen wird die Ausstellung begleiten. In Vorträgen, Diskussionsrunden und weiteren Veranstaltungen sollen auch andere Aspekte von Gender angesprochen werden, die in der Ausstellung nicht gezeigt werden können.

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