News Einzelansicht  - Stadt Witten
Rhein-Ruhr-Philharmonie im Haus Witten
Blick ins Publikum
Blick auf das Berger-Denkmal Hohenstein
Starterfeld Ruhrmarathon

Berührendes Holocaust-Gedenken in Witten-Annen

Hauptredner Jan van Bremen mit Stacheldraht im Vordergrund und zuhörenden Personen im Hintergrund.
Schülerin Adriana Lischeid: „Mich hat besonders betroffen gemacht, dass die meisten noch relativ jung waren“. Foto: Jörg Fruck

Schülerin Adriana Lischeid: „Mich hat besonders betroffen gemacht, dass die meisten noch relativ jung waren“. Foto: Jörg Fruck

„Wir wollen die Zeitzeugnisse bewahren und an die nächste Generation übergeben“, sagte Wittens Bürgermeisterin Sonja Leidemann gestern zum Holocaust-Gedenktag 2020, am Ort der Erinnerung, ehemaliges Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in Witten-Annen. So passte es gut, dass sowohl der Nachfahre von Zwangsarbeitern, der Niederländer Jan van Bremen, als auch Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte von der Holzkamp-Gesamtschule sprachen.

Jan van Bremen, der Sohn eines niederländischen Zwangsarbeiters und einer russischen Zwangsarbeiterin, erinnerte besonders an das Leben seiner Mutter Galina Korjakowa. Sie war wie ihr späterer Ehemann in ein Zwangsarbeitslager nach Annen verbracht worden. Da beide die Gefangenschaft überlebten, gingen sie zusammen in die Niederlande. Doch ihr Leben blieb stark geprägt von den Erfahrungen, nicht zuletzt, weil van Bremens Mutter in der neuen Heimat stets eine Fremde blieb, in ihr Geburtsland Sowjetunion aber außer für Besuche nicht mehr zurück wollte. Sie steht damit beispielhaft für die unzähligen Einzelschicksale, die mit der NS-Verfolgung verbunden sind.

„Jeder ist gezwungen worden, seine Träume hinter sich zu lassen. Mit welchem Recht?“

Andere verließen das KZ-Außenlager in Annen nicht lebend. Schülerinnen und Schüler der Holzkamp-Gesamtschule würdigten einige der Opfer, die zum Teil zu Tode geschunden, zum Teil ermordet wurden. Sie lasen die Lebensdaten der 15 belegten, namentlich bekannten russischen KZ-Häftlinge vor, die im Lager zu Tode gebracht wurden (insgesamt kamen zwischen September 1944 und März 1945 mindestens 31 Menschen zu Tode). „Mich hat besonders betroffen gemacht, dass die meisten noch relativ jung waren“, sagte Schülerin Adriana Lischeid. Viele der Todesopfer waren zwischen 20 und 30 Jahren alt, also kaum älter als die angehenden Abiturienten. „Niemand von denen, an die hier heute erinnert wird, hat hier sein Leben beenden wollen“, sagte Jan van Bremen in seiner Rede. Und fragte: „Jeder ist gezwungen worden, seine Träume hinter sich zu lassen. Mit welchem Recht?“

Wittens Bürgermeisterin Sonja Leidemann legte schließlich gemeinsam mit Jan van Bremen, seiner Schwester Maria und Altbürgermeister Klaus Lohmann einen Gedenkkranz am Mahnmal im ehemaligen Lager in der Westfeldstraße / Ecke Immermannstraße nieder, die Schülerinnen und Schüler legten weiße Rosen dazu. Zum Abschluss nutzten die Geschwister van Bremen, die Schülerinnen und Schüler sowie weitere Gäste in der nahen Erlöserkirche die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Gedankenaustausch.

Konzipiert und organisiert wurde die Veranstaltung durch Stadtarchiv Witten in Kooperation mit der Stadt Witten, der deutsch-israelischen Gesellschaft Witten und dem Freundeskreis der Israelfahrer e.V.

(  )