Klimaanpassungskonzept  - Stadt Witten

Das Klimaanpassungskonzept für Witten ist gestartet

Die Stadt Witten liegt im Südosten des größten Ballungsraumes Europas: dem Ruhrgebiet. Diese Region wird schon aktuell und in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erheblich unter dem Klimawandel zu leiden haben. Deshalb soll ein bisher wenig untersuchter, stadtklimatischer Aspekt, der für Kommunen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, in den Fokus gerückt werden: die Folgen des Klimawandels. Dieser stellt die Städte vor große Herausforderungen. So wird die Zunahme von Extremtemperaturereignissen unter anderem zu zusätzlichen Belastungen bei älteren Menschen, chronisch Kranken, Schwangeren und Kindern führen. Schäden und Beeinträchtigungen durch Extrem-Niederschläge, Überflutungen, Sturm und Hitze werden zunehmen. Der Deutsche Städtetag fordert daher mit Recht, die Auswirkungen des Klimawandels besonders in der Stadt- und Grünplanung zu berücksichtigen.

Um flächendeckende Informationen über die Temperaturverhältnisse im Wittener Stadtgebiet zu bekommen, wurde zu Beginn der Untersuchungen eine Infrarotaufnahme des Landsat 8 – Satelliten vom 29.06.2019 ausgewertet. Nur wenige Bilder des Satelliten liefern eine wolkenfreie Aufnahme im Infrarotspektrum, die für die vorliegende Auswertung notwendig ist. Die Legende der Karte der Oberflächentemperaturen (Abb. 1) weist die ansteigenden Oberflächentemperaturen von kalten zu warmen Oberflächen in den Farbstufen Blau, Gelb und Rot aus. Die höchsten Oberflächentemperaturen treten in den Industrie- und Gewerbegebieten auf. Aber auch trockene, abgeerntete Felder können tagsüber sehr hohe Oberflächentemperaturen erreichen.

Thermalbilder sind in ihrer Eigenschaft der strikten Abbildung der Oberflächentemperaturen für die Beurteilung der stadtklimatischen Situation zunächst nur indirekt nutzbar. Aus der Thermalkarte lassen sich aber Rückschlüsse auf die Lufttemperatur-Situation in einem Gebiet ziehen. Die Luft wird über den Oberflächen erwärmt oder abgekühlt, das heißt, dass sehr warme Oberflächen zu erhöhten Lufttemperaturen führen. Versiegelte Flächen und Bebauungen speichern viel Energie und kühlen sich auch nachts nur langsam ab. In Verbindung mit einem geringen Luftaustausch in bebauten Stadtgebieten führt dies zur Ausprägung von Wärmeinseln. Freiflächen kühlen nachts sehr schnell ab und haben niedrige Oberflächentemperaturen. Diese kühlen die darüber liegenden Luftschichten und führen zu einer nächtlichen Kaltluftbildung auf den Flächen. Bei austauscharmen Wetterlagen mit geringen Windgeschwindigkeiten können die entsprechend der Geländeneigung abfließenden Kaltluftmassen einen erheblichen Betrag zur Belüftung und Kühlung von erwärmten Stadtgebieten leisten. Im Winter kann es dagegen im Bereich von Kaltluftbildungs-, Kaltluftabfluss- und Kaltluftsammelgebieten zu vermehrter Nebel- oder Frostbildung kommen.

Die Erstellung des Klimaanpassungskonzeptes Witten wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative durch das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Partner für dieses Projekt ist die K.Plan Klima.Umwelt&Planung GmbH aus Bochum, die die Untersuchungen vor Ort durchführt, die Ergebnisse auswertet und daraus gemeinsam mit der Stadt Witten und anderen Einrichtungen, Vereinen, Akteuren und der Öffentlichkeit einen Maßnahmenkatalog zur Klimafolgenbewältigung entwickelt. Abbildung 2 zeigt die Struktur der Arbeitspakete für die Erarbeitung des Wittener Klimaanpassungskonzeptes.

Im Rahmen des Projektes wird erarbeitet, wie sich eine Zunahme der Lufttemperaturen auf städtische Wärmeinseln und die Funktion der Frischluftkorridore auswirkt. Ebenso werden die Auswirkungen der Zunahme von Starkniederschlägen und Überschwemmungen sowie Sturmereignissen untersucht. Daraus wird eine Handlungskarte entwickelt, die Risiko- und Konfliktpotenziale sowie Schutzzonen aus klimatischer Sicht aufzeigt. Ein umfangreicher Katalog mit Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel wird zusammengestellt, der zur Erhaltung von gesunden Lebens- und Arbeitsverhältnissen und einer hohen Wohnumfeldqualität beiträgt. Insbesondere gilt es, den städtischen Wärmeinseleffekt zu mindern und die für die Belüftung der Innenstadt wichtigen Frischluftkorridore zu erhalten und zu verbessern. Auch bei der Planung und Gestaltung von Gebäuden und Erschließungsflächen bzw. –anlagen gilt es, die Möglichkeiten zum Schutz von Bewohnern und Sachgütern vor den negativen Folgen des Klimawandels zu nutzen.

Ein weiterer Aspekt des Wittener Klimaanpassungskonzeptes ist die Öffentlichkeitsbeteiligung. Für die Erstellung eines zukunftsfähigen Konzepts mit einem breiten gesellschaftlichen Fundament ist die Information und Beteiligung von Experten, Fachgremien und insbesondere der Bürgerinnen und Bürger unerlässlich. Aus diesem Grund sind bis zum Ende des Jahres verschiedene Veranstaltungen geplant, bei denen Zwischenergebnisse vorgestellt werden und im Rahmen von Workshops die Meinung von Fachakteuren und Öffentlichkeit gefragt ist. Die Workshops zur Bürgerbeteiligung sollen, soweit das möglich ist, Ende September und Anfang Oktober stattfinden. Dazu wird rechtzeitig über die Presse und auf dieser Seite eingeladen.

Seit Mai gibt es zusätzlich ein Online-Beteiligungstool, die „KlimaMap Witten“. Bei der Klimamap können Anregungen, Ideen, Hinweise und Bedenken zum Stadtklima und zu den Auswirkungen des Klimawandels in Witten eingegeben werden: Wo gibt es Orte, die besonders hitzeanfällig sind? Wo gab es schon Probleme mit Überflutungsereignissen? Sind an bestimmten Orten Sturmschäden aufgetreten? Welchen Einfluss haben diese Ereignisse auf die Lebensqualität? Wie schütze ich selbst mein Haus? Welche Ideen habe ich, um vor Ort die Klimawandelfolgen abzumildern oder zu vermeiden? Die aktive Beteiligung möglichst vieler Interessensgruppen vor Ort spielt eine herausragende Rolle für die Bearbeitung des Projektes. Die KlimaMap dient dazu, Hinweise und Anregungen aufzunehmen und die Erfolgschancen für eine gemeinsame spätere Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu erhöhen. Sie wird für die breite Öffentlichkeit bis Ende Oktober online sein: www.witten.klimamap.de


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