Klimaanpassungskonzept  - Stadt Witten

Klimamap Witten geht in die Verlängerung

 

Seit Mai können die Bürger und Bürgerinnen Anregungen, Ideen, Hinweise und Bedenken zum Stadtklima und zu den Auswirkungen des Klimawandels in Witten über ein Online-Tool in die Wittener Klimamap eingeben. Bisher gibt es schon über weit über 100 Einträge, die sich mit Problemen, aber häufig auch mit Lösungsansätzen zur Klimafolgenanpassung beschäftigen. Ein großer Dank geht an die Bevölkerung, die sich so aktiv in die Erarbeitung des Klimaanpassungskonzeptes einbringt.

Da eine Bürgerbeteiligung vor Ort mit verschiedenen öffentlichen Workshops aufgrund der Corona-Einschränkungen erstmal in das nächste Jahr verschoben wird, bleibt zunächst diese Möglichkeit der digitalen Beteiligung von Zuhause aus erhalten. Die Klimamap wird bis Ende des Jahres 2020 verlängert: www.witten.klimamap.de

Im Zuge der Bearbeitung des Wittener Klimaanpassungskonzeptes wurden in den letzten Wochen weitere Risiko-/ Betroffenheitsanalysen für das Stadtgebiet durchgeführt:

 

Betroffenheit durch Trockenheit

Durch den Klimawandel verursachte geänderte klimatische Bedingungen mit zunehmender Sommerhitze in den Städten und damit verbundenen sommerlichen Trockenperioden haben erhebliche Auswirkungen auf die urbane Vegetation. Eine Kühlungsfunktion der Vegetation durch Evapotranspiration setzt eine ausreichende Wasserversorgung der Pflanzen voraus. Eine Möglichkeit zur Anpassung an diese neuen Bedingungen ist die künstliche Bewässerung derjenigen begrünten Flächen, auf denen während Trockenperioden zu wenig Grundwasser oder Bodenfeuchtigkeit zur Verfügung steht. Zunehmende Sommerhitze in den Städten kann zudem zur Austrocknung nichtversiegelter Flächen führen. Diese erfüllen aber eine wichtige Funktion für die Niederschlagsversickerung im urbanen Raum. Stark ausgetrocknete Böden führen beim nächsten Niederschlagsereignis dazu, dass ein größerer Teil des Wassers nicht versickern kann und deshalb oberflächlich abfließt. Dies hat negative Auswirkungen auf die Bodenerosion und die Grundwasserneubildung und erhöht das Überschwemmungsrisiko beim nächsten Starkregen. Als ein erster Schritt zur Ermittlung der Trockenheitsgefährdungen im Stadtgebiet von Witten wurde eine einfache Trockenheitsanalyse durchgeführt. Dabei spielen insbesondere Boden- und Geländeparameter eine entscheidende Rolle für das Auftreten von Schäden bei Trockenheit.

Das Ergebnis der Berechnung der stadtweiten Trockenheitsgefährdung zeigt ein zweigeteiltes Bild für Witten. Das flachere nördliche Stadtgebiet weist durch hohe nFK-Werte und geringe Hangneigungen nur eine geringe, bodenabhängige Trockenheitsgefährdung auf. Allerdings sind die natürlichen Böden hier häufig zerstört und der typische „Stadtboden“ mit Einbringung von anthropogenem Material in den Boden (Bauschutt) hat in der Regel eine sehr geringe nutzbare Feldkapazität und ist damit kleinräumig betrachtet extrem trockenheitsanfällig. Parkanlagen in der Stadt, die ein natürliches Bodenprofil im Untergrund aufweisen, trocknen dagegen während sommerlicher Trockenperioden weniger stark aus.

 

Auch bei der Pflanzung von Stadtbäumen spielt die Trockenheitsgefährdung eine Rolle. Bäume müssen sich auf veränderte, durch den Klimawandel verursachte Bedingungen einstellen. Insbesondere die zunehmende Sommerhitze in den Städten und damit verbundene sommerliche Trockenperioden erfordern eine gezielte Auswahl von geeigneten Stadtbäumen für die Zukunft. Wärmeresistente Pflanzenarten mit geringem Wasserbedarf sind zukünftig besser für innerstädtische Grünanlagen geeignet. Um eine ausreichende Vielfalt mit Pflanzenarten, die eine sehr hohe Trockenstresstoleranz haben, zu erreichen, ist es notwendig, neben heimischen Arten auch Arten aus Herkunftsgebieten mit verstärkten Sommertrockenzeiten zur Bepflanzung heranzuziehen. Durch eine erhöhte Artenvielfalt im städtischen Raum kann möglichen Risiken durch neue, wärmeliebende Schädlinge vorgebeugt werden. Durch innovative Bewässerungsverfahren können im Einzelfall auch weniger trockenresistente Arten zum Einsatz kommen. Die Kühlung während trockener Hitzeperioden durch Evapotranspiration der Vegetation wirkt vor allem im Bereich der hoch verdichteten Innenstädte von Witten und Annen. Während sommerlicher Trockenperioden sollte sich die Bewässerung von Parkanlagen auf diese Bereiche konzentrieren, um die Funktionen der Grünflächen zu erhalten bzw. zu optimieren.

 

Analyse der Bodenkühlleistung

Die gigantischen Energietransferleistungen des Bodens, die durch „Versiegelung“ unterbunden werden, lenken den Blick auf das Potential der Böden zur Kühlung der städtischen Atmosphäre. Bodenraumeinheiten mit hohen und mittleren Bodenkühlleistungen, die ehemals vorhanden waren, treten in urban geprägten Räumen kaum noch auf, bedingt durch mächtige Aufschüttungen und die heute dominierenden urban-industriellen Böden. DieWärmespeicherkapazität und die Wärmeleitfähigkeit eines Bodens spielen die entscheidende Rolle für die Aufheizung der Bodenoberfläche und damit der darüberliegenden Luftschichten. Versiegelte Böden sind deshalb in der Regel deutlich wärmer als die Luft und führen zur Aufheizung, während Freilandflächen im Laufe des Abends und der Nacht kühlend auf die Luft wirken. Um einer weiteren Erwärmung der Städte entgegenzuwirken, sollten Böden mit hohen pflanzenverfügbaren Wasserspeicherleistungen und/oder Grundwasseranschluss in stadtklimatisch relevanten Frischluftschneisen und Erholungsräumen von Überbauung, Abgrabung und Aufschüttung freigehalten werden. Diese Böden wirken ganzjährig ausgleichend auf die Lufttemperaturen und kühlend in den Sommermonaten.

Im Überblick lässt sich das Aufheizungsverhalten von Oberflächen und damit das Bodenkühlleistungspotential auf die Art der Flächennutzung, die Bepflanzung und den Zustand der Böden zurückführen. Besonders der Wasserhaushalt des Bodens und die darüber beeinflusste Verdunstung der Pflanzen sind wesentliche Stellschrauben für die potenzielle Bodenkühlleistung auf Freiflächen. Der Anteil an Versiegelung, Art und Dichte der Vegetation sowie die Bodeneigenschaften werden als Haupteinflüsse auf die Kaltluftbildung verstanden. Eine Verschneidung von Bodenkarten, Grundwasserkarten und Nutzungskarten des gesamten Stadtgebietes führt zu einem ersten Bewertungsschema der potenziellen Bodenkühlleistung von Flächen im Stadtgebiet von Witten.

 

 

Das Klimaanpassungskonzept für Witten ist gestartet

Die Stadt Witten liegt im Südosten des größten Ballungsraumes Europas: dem Ruhrgebiet. Diese Region wird schon aktuell und in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erheblich unter dem Klimawandel zu leiden haben. Deshalb soll ein bisher wenig untersuchter, stadtklimatischer Aspekt, der für Kommunen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, in den Fokus gerückt werden: die Folgen des Klimawandels. Dieser stellt die Städte vor große Herausforderungen. So wird die Zunahme von Extremtemperaturereignissen unter anderem zu zusätzlichen Belastungen bei älteren Menschen, chronisch Kranken, Schwangeren und Kindern führen. Schäden und Beeinträchtigungen durch Extrem-Niederschläge, Überflutungen, Sturm und Hitze werden zunehmen. Der Deutsche Städtetag fordert daher mit Recht, die Auswirkungen des Klimawandels besonders in der Stadt- und Grünplanung zu berücksichtigen.

Um flächendeckende Informationen über die Temperaturverhältnisse im Wittener Stadtgebiet zu bekommen, wurde zu Beginn der Untersuchungen eine Infrarotaufnahme des Landsat 8 – Satelliten vom 29.06.2019 ausgewertet. Nur wenige Bilder des Satelliten liefern eine wolkenfreie Aufnahme im Infrarotspektrum, die für die vorliegende Auswertung notwendig ist. Die Legende der Karte der Oberflächentemperaturen (Abb. 1) weist die ansteigenden Oberflächentemperaturen von kalten zu warmen Oberflächen in den Farbstufen Blau, Gelb und Rot aus. Die höchsten Oberflächentemperaturen treten in den Industrie- und Gewerbegebieten auf. Aber auch trockene, abgeerntete Felder können tagsüber sehr hohe Oberflächentemperaturen erreichen.

Thermalbilder sind in ihrer Eigenschaft der strikten Abbildung der Oberflächentemperaturen für die Beurteilung der stadtklimatischen Situation zunächst nur indirekt nutzbar. Aus der Thermalkarte lassen sich aber Rückschlüsse auf die Lufttemperatur-Situation in einem Gebiet ziehen. Die Luft wird über den Oberflächen erwärmt oder abgekühlt, das heißt, dass sehr warme Oberflächen zu erhöhten Lufttemperaturen führen. Versiegelte Flächen und Bebauungen speichern viel Energie und kühlen sich auch nachts nur langsam ab. In Verbindung mit einem geringen Luftaustausch in bebauten Stadtgebieten führt dies zur Ausprägung von Wärmeinseln. Freiflächen kühlen nachts sehr schnell ab und haben niedrige Oberflächentemperaturen. Diese kühlen die darüber liegenden Luftschichten und führen zu einer nächtlichen Kaltluftbildung auf den Flächen. Bei austauscharmen Wetterlagen mit geringen Windgeschwindigkeiten können die entsprechend der Geländeneigung abfließenden Kaltluftmassen einen erheblichen Betrag zur Belüftung und Kühlung von erwärmten Stadtgebieten leisten. Im Winter kann es dagegen im Bereich von Kaltluftbildungs-, Kaltluftabfluss- und Kaltluftsammelgebieten zu vermehrter Nebel- oder Frostbildung kommen.

Die Erstellung des Klimaanpassungskonzeptes Witten wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative durch das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Partner für dieses Projekt ist die K.Plan Klima.Umwelt&Planung GmbH aus Bochum, die die Untersuchungen vor Ort durchführt, die Ergebnisse auswertet und daraus gemeinsam mit der Stadt Witten und anderen Einrichtungen, Vereinen, Akteuren und der Öffentlichkeit einen Maßnahmenkatalog zur Klimafolgenbewältigung entwickelt. Abbildung 2 zeigt die Struktur der Arbeitspakete für die Erarbeitung des Wittener Klimaanpassungskonzeptes.

Im Rahmen des Projektes wird erarbeitet, wie sich eine Zunahme der Lufttemperaturen auf städtische Wärmeinseln und die Funktion der Frischluftkorridore auswirkt. Ebenso werden die Auswirkungen der Zunahme von Starkniederschlägen und Überschwemmungen sowie Sturmereignissen untersucht. Daraus wird eine Handlungskarte entwickelt, die Risiko- und Konfliktpotenziale sowie Schutzzonen aus klimatischer Sicht aufzeigt. Ein umfangreicher Katalog mit Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel wird zusammengestellt, der zur Erhaltung von gesunden Lebens- und Arbeitsverhältnissen und einer hohen Wohnumfeldqualität beiträgt. Insbesondere gilt es, den städtischen Wärmeinseleffekt zu mindern und die für die Belüftung der Innenstadt wichtigen Frischluftkorridore zu erhalten und zu verbessern. Auch bei der Planung und Gestaltung von Gebäuden und Erschließungsflächen bzw. –anlagen gilt es, die Möglichkeiten zum Schutz von Bewohnern und Sachgütern vor den negativen Folgen des Klimawandels zu nutzen.

Ein weiterer Aspekt des Wittener Klimaanpassungskonzeptes ist die Öffentlichkeitsbeteiligung. Für die Erstellung eines zukunftsfähigen Konzepts mit einem breiten gesellschaftlichen Fundament ist die Information und Beteiligung von Experten, Fachgremien und insbesondere der Bürgerinnen und Bürger unerlässlich. Aus diesem Grund sind bis zum Ende des Jahres verschiedene Veranstaltungen geplant, bei denen Zwischenergebnisse vorgestellt werden und im Rahmen von Workshops die Meinung von Fachakteuren und Öffentlichkeit gefragt ist. Die Workshops zur Bürgerbeteiligung sollen, soweit das möglich ist, Ende September und Anfang Oktober stattfinden. Dazu wird rechtzeitig über die Presse und auf dieser Seite eingeladen.

Seit Mai gibt es zusätzlich ein Online-Beteiligungstool, die „KlimaMap Witten“. Bei der Klimamap können Anregungen, Ideen, Hinweise und Bedenken zum Stadtklima und zu den Auswirkungen des Klimawandels in Witten eingegeben werden: Wo gibt es Orte, die besonders hitzeanfällig sind? Wo gab es schon Probleme mit Überflutungsereignissen? Sind an bestimmten Orten Sturmschäden aufgetreten? Welchen Einfluss haben diese Ereignisse auf die Lebensqualität? Wie schütze ich selbst mein Haus? Welche Ideen habe ich, um vor Ort die Klimawandelfolgen abzumildern oder zu vermeiden? Die aktive Beteiligung möglichst vieler Interessensgruppen vor Ort spielt eine herausragende Rolle für die Bearbeitung des Projektes. Die KlimaMap dient dazu, Hinweise und Anregungen aufzunehmen und die Erfolgschancen für eine gemeinsame spätere Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu erhöhen. Sie wird für die breite Öffentlichkeit bis Ende Oktober online sein: www.witten.klimamap.de

Download: Endbericht KlimaMap Witten (pdf, 2,4 MB)


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Herr Weitz

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