Das Rathaus – ein Denkmal mit Geschichte  - Stadt Witten

Das Rathaus – ein Denkmal mit Geschichte

Das Wittener Rathaus: Sein Bau war ein Wendepunkt in der Stadtgeschichte

„Unübersehbar steht das Rathaus in der Mitte unserer  Stadt. Es ist größer als alle umliegenden Gebäude und dank des massiven Turmes auch Kilometer weit entfernt noch sichtbar“, sagt Florian Schrader von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Witten. Welche herausragende stadtgeschichtliche Bedeutung der Verwaltungssitz hat, führt der städtische Denkmalpfleger im Folgenden aus.

Florian  Schrader:“ Obwohl der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen hat, ist das Gebäude im architektonischen Stil des Klassizismus immer noch ein starkes Symbol bürgerlichen Selbstbewusstseins. Während die Rathäuser in den großen Reichsstädten des Mittelalters bereits früh die Zentren der Macht und des gesellschaftlichen Lebens waren, so wurden die Geschicke Wittens lange Zeit von Adelssitzen wie Haus Witten oder Schloss Steinhausen aus bestimmt, die etwas abseits lagen. Erst unter Napoleon wurde der Adel Anfang des 19. Jahrhunderts entmachtet und auch in Witten ein Bürgermeister und eine Ratsversammlung nach französischem Vorbild eingeführt. Auch wenn die französische Herrschaft schon 1813 endete, blieb die neue bürgerliche Selbstverwaltung doch bestehen. Ganz bescheiden war zu Anfang das private Wohnhaus des Bürgermeisters auch zugleich Rathaus mit einigen Büroräumen. Mit einem neugewählten Bürgermeister wechselte damit auch die Adresse des Rathauses. Eigentlich plante man schon 1811 den Bau von Räumen für die Verwaltung, was jedoch aus finanziellen Gründen nie realisiert wurde. Erst 50 Jahre später, im Jahr 1861, erfolgte der Kauf eines Hauses an der Hauptstraße. Ein eigenes Gebäude für die Verwaltung war auch bitter nötig, da mit der Industrialisierung und einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerung auch die städtischen Bediensteten und ihre Aufgaben immer zahlreicher wurden.

Architektenwettbewerb

Schon bald platzte das neue Gebäude aus allen Nähten, und viele Ämter mussten in andere Objekte über die Stadt verteilt werden. Im Mai 1907 wurde schließlich der Neubau eines großen zentralen Rathauses beschlossen um die Raumnot ein für alle Mal zu beheben. Man entschied sich als Standort schließlich für die heutige Lage am Marktplatz, obwohl lange auch der Voß´sche Garten im Rennen war. Es sollte ein repräsentatives Gebäude werden, welches auch in seiner äußeren Gestaltung herausragend wirkt. Zu diesem Zweck wurde 1911 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. 73 Entwürfe wurden beim Preisgericht eingereicht, die nach kurzer Prüfung alle im Märkischen Museum ausgestellt wurden. Ein Bürger war von den Plänen so begeistert, dass er umgehend eine Summe von 10.000 Mark für das Rathausprojekt spendete.

Kriegswirren

Mit dem Bau des Rathauses wurde schließlich der Architekt Heinrich Jennen aus Berlin beauftragt, obwohl dieser nur den 2. Platz belegt hatte. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges im August 1914 beendete jedoch die gerade begonnenen Arbeiten. Aufgrund des nun herrschenden Ausnahmezustands konnte der Vertrag mit dem Architekten wieder aufgelöst werden. Die Entwürfe wurden allerdings trotzdem vom Stadtbauamt behalten und so lange weiter entwickelt, bis von der ursprünglichen Idee des Architekten nicht mehr viel übrig war. Die Rolle des Architekten übernahm schließlich der damalige Stadtbaurat Bewig, der 1916 seine Pläne für das Rathaus vorlegte. Die Fortführung der Bauarbeiten wurde noch vor Kriegsende 1918 beschlossen und von 1921-26 realisiert. Eine besondere Herausforderung war dabei die Ruhrbesetzung 1923. Jeder einzelne Raum im Rathaus musste sofort nach Fertigstellung bezogen werden, damit er nicht von der französischen Militärverwaltung für eigene Zwecke beschlagnahmt wurde.

Auch wenn es durch einige Bombentreffer beschädigt wurde, hat das Rathaus als eines der wenigen prägenden Gebäude Wittens den 2. Weltkrieg überstanden. So konnte in den 50er Jahren noch ein weiterer Anbau - ganz im Stil der Zeit - an der Ruhrstraße angefügt werden. Auch dieser Teil steht heute unter Denkmalschutz. Sicherlich bedarf das bald 90 Jahre alte Bauwerk einer Überholung, dennoch wird es auch noch in naher und ferner Zukunft der zentrale Punkt und ein herausragendes Wahrzeichen der Stadt Witten sein.“

(Quelle: städt. Pressetext „Denkmal des Monats Juni 2014“)