30 Jahre Gleichstellung in Witten  - Stadt Witten

Eine Standortbestimmung: 30 Jahre Gleichstellung - wo stehen wir heute?

Etwa 180 engagierte Frauen, Ratsmitglieder und Beschäftigte der Stadtverwaltung feierten am Mittwoch (2.11.) im gut gefüllten Ratssaal das 30jährige Bestehen der städtischen Gleichstellungsstelle. Gleichstellungsbeauftragte Cornelia Prill nimmt das Jubiläum zum Anlass für eine aktuelle Standortbestimmung.

„Seit Einrichtung der Gleichstellungsstellen vor 30 Jahren hat sich das gesellschaftliche Klima deutlich zum Positiven verändert, und aktuell  bekommt der Gleichstellungsgedanke aus wirtschaftlichen Gründen einen weiteren kräftigen Schub in Richtung Normalität: Der drohende Fachkräftemangel führt dazu, dass deutsche Unternehmen zunehmend darauf angewiesen sind, Frauen für neue Berufe zu begeistern oder vakante Stellen – auch Führungspositionen - mit ihnen zu besetzen.

Das ist einerseits erfreulich, andererseits geht es aber aus Sicht der Frauen um grundlegende Werte, nicht um Opportunitäten. Denn diese können sich nach Stimmungslage täglich ändern. Deshalb müssen wir weiterhin darum kämpfen, diese Werte, die schon im Grundgesetz stehen, auch in den Köpfen fest zu verankern. Damit sie auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu einer Selbstverständlichkeit werden. Doch davon sind wir leider immer noch weit entfernt.

Aktuelle Projekte

Deshalb versuchen Gleichstellungsbeauftragte bzw. Gleichstellungsstellen in ihrer täglichen Arbeit, die speziellen Belange von Frauen sichtbar zu machen - in internen Prozessen genau so wie in externen. Sie weisen auf Missstände hin und machen Verbesserungsvorschläge, wenden sich gegen jede Form der Diskriminierung, rücken Gleichstellungsthemen wie Entgeltgerechtigkeit, Frauenquote, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wiedereinstieg ins Berufsleben nach einer Familienphase oder die immer noch zu wenig beachtete häusliche Gewalt ins öffentliche Bewusstsein.

Aktuelle Schwerpunkte unserer Arbeit sind das Projekt "Vereinbarkeit Beruf und Pflege" und die Unterstützung "Geflüchteter Frauen". Anfang 2017 wird die Gleichstellungstelle gemeinsam mit dem Organisations- und Personalamt einen neuen Frauenförderplan (der „Gleichstellungsplan“ heißen wird) nach den Vorgaben des neuen Landesgleichstellungsgesetzes (LGG) erarbeiten.

Was macht eine Gleichstellungsstelle eigentlich für Männer?

Eine zuletzt häufig gestellte Frage lautet: Was macht eine Gleichstellungsstelle eigentlich für Männer? Die Frage ist berechtigt, denn um das Ziel einer echten Gleichstellung von Mann und Frau zu erreichen, muss auch den Männern die Chance eröffnet werden, sich gleichberechtigt an der Familienarbeit zu beteiligen! Hier gilt es, auch für die Männer ein Klima zu schaffen, das es ihnen ermöglicht,  Arbeitsformen wie Elternzeit oder Teilzeit, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern, ohne diskriminiert zu werden in Anspruch zu nehmen. Wie groß der Nachholbedarf noch ist, lässt sich beispielsweise daran ablesen, dass 90% der Männer die ihnen gesetzlich zustehende zweimonatige Elternzeit einfach verfallen lassen. Und von der Möglichkeit, anstelle der Frau eine längere Elternzeit zu beanspruchen machen nur ganz wenige gebrauch.

Zusammenfassend könnte man also sagen: Die Gleichstellungsstelle arbeitet Tag für Tag daran, sich selbst überflüssig zu machen. Doch wie müsste die öffentliche Verwaltung und das städtische Leben aussehen, wenn das Ziel erreicht ist? Meine Vision:

  • Der Equal Pay Day findet schon am 1.Januar statt,
  • Das Geschlechterverhältnis ist in allen Führungspositionen ausgeglichen,
  • die sozialen Berufe sind ebenfalls paritätisch besetzt und finanziell aufgewertet,
  • die 30-Stunden-Arbeitswoche ist für Männer und Frauen Normalität und
  • es gibt ausreichend viele und flexible Kinderbetreuungsplätze, damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beiden Geschlechtern möglich ist.“

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