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Stadtarchiv gibt Leihgaben an das Jüdische Museum Dorsten

v. links: Dr. Martina Kliner-Fruck (Stadtarchiv Witten), Thomas Ridder und Dr. Cordula Lissner (Jüdisches Museum Dorsten) mit den Leihgaben aus Witten. Foto: Jörg Fruck

Gleich drei Leihgaben aus dem Stadtarchiv Witten sind jetzt in der neuen Dauerausstellung „L´chaim! - Auf das Leben!“ des Jüdischen Museums Westfalen in Dorsten zu sehen: Der „Löwenthal-Stiefel“, eine Glückwunschmappe für Rebecca Hanf und ein jüdisches Gebetbuch.

Erneut gezeigt wird dort der „Löwenthal-Stiefel“, der mit der Ausstellung des LWL „An der Heimatfront – Westfalen und Lippe im Ersten Weltkrieg“ bereits durch mehrere Museen wanderte. „Louis Löwenthal, 1863 in Lödingsen bei Hannover geboren, schenkte das Trinkgefäß anlässlich des vierten Stiftungsfests und der Fahnenweihe im Juni 1914 dem Fuhrmannsverein „Gute Fahrt“ in Langendreer“, berichtet die Leiterin des Wittener Stadtarchivs, Dr. Martina Kliner-Fruck. Dort hatte der Kaufmann 1897 ein Geschäft für Haushalts- und Spielwaren eröffnet. Nach Aufgabe des Betriebs 1935 zog er mit seiner Ehefrau Johanna geborene Rollmann nach Witten und 1939 nach Dortmund. Von dort wurde das Ehepaar am 29. Juli 1942 zunächst in das Ghetto Theresienstadt und zwei Monate später in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet.  2010 entdeckte Dr. Kliner-Fruck den „Bierstiefel“ in einem Wittener Antiquitätengeschäft. Der Wittener Udo Wichert kaufte das Objekt aufgrund seiner besonderen Geschichte und schenkte es dem Stadtarchiv.

Auch eine ganz besondere Glückwunschmappe wird in der neuen Dauerausstellung in Dorsten zu sehen sein: „Der 1864/65 gegründete Jüdische Frauenverein Witten hatte diese Mappe seiner Vorsitzenden Rebecca Hanf zu ihrer Goldenen Hochzeit 1935 geschenkt“, so Dr. Kliner-Fruck. Die 1863 in Iserlohn geborene Frauenrechtlerin, Philosophin und Mäzenatin lebte seit 1885 in Witten. 1939 flüchtete sie mit ihrem Ehemann in die Niederlande. Die SS verschleppte Rebecca Hanf über das „Polizeiliche Judendurchgangslager“ Westerbork 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz und ermordete die damals 80-Jährige.

Die Mitglieder des Jüdischen Frauenvereins entwarfen zu Hanfs Goldenen Hochzeit einen mit Goldpapier verzierten, handgeschriebenen, mehrseitigen Gruß. Das letzte Blatt in der Mappe schmückt ein Davidstern aus Goldstaub als religiöses Symbol und Zeichen der Hoffnung in der „Not dieser Zeit“. Darüber findet sich folgender Text:

„Es ist ein heiliges Gebot‘,

Zu lindern Leid, zu mindern Not‘,

Und mehr des Lobes noch gebührt,

Dem, der dazu auch andre führt.

Wohltun in solcher Treue Sold

Lohn Dir der heutige Tag mit Gold,

Das ungemünzt aus Herzensgrund,

Tut Dankbarkeit u. Liebe kund.

Sei weiter Dir das Leben hold,

Dein Schicksal gütig, treu wie Gold.

Daß Du mit uns kannst im Verein

Nach Herzenslust wohltätig sein!

            Jüdischer Frauenverein

                                   Witten“

Bei der dritten Leihgabe handelt es sich um ein Gebetbuch für „Israels Frauen und Jungfrauen“ von Fanny Neuda, das um 1920 in Basel herausgegeben wurde. „Für dieses Exponat ist derzeit ein Schenkungsvertrag in Vorbereitung“, so Kliner-Fruck.

Die neue Dauerausstellung im Jüdischen Museum NRW in Dorsten

Das Jüdischen Museum Westfalen mit dem Standort Dorsten gibt es seit 26 Jahren. Entstanden ist es aus einer engagierten Bürgerinitiative Ende der 1980er Jahre. Heute ist das Museum ein Lehr- und Lernort. Die seit 2001 gezeigte Dauerausstellung mit ihren Schätzen aus der Judaica-Sammlung wurde aktuell umgebaut und inhaltlich neu konzipiert. Unter dem Titel „L´chaim! - Auf das Leben!“ wurde sie am 16. Dezember 2018 eröffnet. Ein Besuch lohnt sich immer. Nähere Informationen finden sich unter: http://www.jmw-dorsten.de/

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