Corona Einzelansicht  - Stadt Witten

„Wir sind da!“ – Runder Tisch EN gegen häusliche Gewalt

Vertreterinnen und Vertreter des Runden Tischs mit Plakaten

Was können Frauen tun, die von häuslicher Gewalt betroffen sind? Corona hat deren Situation auf vielerlei Art erschwert: Die Notwendigkeit, mehr Zeit zu Hause zu verbringen, hat oft auch das Gewaltpotential erhöht. Die Suche nach Hilfe ist gleichzeitig schwierig, wenn der Mann zu Hause ist. Und Beratungsangebote können schwerer auf sich aufmerksam machen. Die Botschaft des Runden Tisches EN zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ist dennoch: „Wir sind da!“

„Deshalb hängen in der Zeit vom 25.11. bis 10.12.2020 in den Städten des EN-Kreises an zentralen Stellen Plakate mit wichtigen Notrufnummern, die darauf aufmerksam machen sollen“, erklärt Katrin Brüninghold, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hattingen.

In akuten Fällen die 110

Die Angebote im Ennepe-Ruhr-Kreis sind vielfältig: die Frauenberatung von GESINE Intervention, die Gleichstellungsbeauftragten der Städte, der Weiße Ring, die Polizei. Sie alle sind telefonisch erreichbar, beraten und helfen. „Die 110 ist in akuten Fällen die richtige Wahl“, sagt Sven Flügge, Kriminalhauptkommissar bei der Kreispolizeibehörde Schwelm. Die Polizei kann dann eingreifen und die Täter auch der Wohnung verweisen.

Häusliche Gewalt hat auch mit Kontrolle zu tun

Obwohl große Einigkeit besteht, dass Corona die Fälle von Gewalt ansteigen ließ, gab es im Frühjahr während des ersten Lockdowns ein überraschendes Phänomen: Bei der Polizei wurden weniger Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet. „Wir glauben aber nicht, dass weniger passiert ist“, sagt Silke Jakobs vom Polizeipräsidium Bochum. Andrea Stolte von GESINE Intervention ergänzt aus ihrer Erfahrung: „Frauen sagen auch jetzt wieder Beratungstermine ab, weil gerade der Ehemann zu Hause im Homeoffice ist.“ Schließlich hat Häusliche Gewalt immer auch mit der Ausübung von Macht und somit kontrollierendem Verhalten zu tun.

Familie und Partnerschaft sind für Frauen nicht selten „gefährliche Orte“. Im schlimmsten Fall führt diese Gewalt bis zum Äußersten: zur Tötung, also einem Femizid. Laut einer Statistik des Bundeskriminalamts werden in nur 4,8 Prozent der gesamten Tötungsdelikte Männer in Partnerschaften getötet. Frauen sind hingegen zu 38,7 Prozent Opfer von Tötungsdelikten in Partnerschaften.

Wohin können die Opfer sich wenden?

Was aber können betroffene Personen – meist sind es Frauen, bisweilen aber auch Männer – tun? Sie können sich bei den verschiedenen Institutionen melden, auch frühzeitig. Denn Gewalt beginnt nicht erst da, wo es körperlich wird. Auch verbale Demütigungen oder Stalking belasten die Opfer enorm. Kontakt gibt es am Telefon, aber auch per Mail – notfalls per Smartphone vom Klo aus, wenn der Täter sonst ständig kontrolliert. Ein weiterer Ausweg ist das Frauenhaus. Die Aufnahme dort ist übrigens Corona-sicher.

„Wir können alle etwas tun“

„Häusliche Gewalt gehört nicht nur in die Privatsphäre. Sie geht uns alle etwas an und wir können alle etwas tun“, sagt Christel Hofschröer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gevelsberg. Hier sind Politik und kommunale Verwaltungen aufgerufen zu handeln, aber auch Nachbarn, Verwandte und Freunde. „Wir sind ansprechbar, wenn man Verdächtiges beobachtet, selbst wenn man noch nicht sicher ist, wie genau man das bewerten soll“, sagt deshalb Cornelia Prill, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Witten.

Neben den zahlreichen Angeboten für die Opfer gibt es auch eines für Täter: GESINE bietet „TONI“, die täterorientierte nachhaltige Intervention. Täterinnen und Täter erhalten hier Beratung, wie sie ihre Aggressionen in den Griff bekommen können.

Die Homepage www.gesine-intervention.de bietet zudem ein Corona-Care-Paket: Schutz und Hilfe, Rat und Tat mit Tipps und Tricks für emotionale Notlagen.

Corona hat das Problem häuslicher Gewalt eher verschärft. Bis heute hat die Polizei für den EN-Kreis bereits fast so viele Fälle erfasst wie im ganzen Jahr 2019. „Leider gehört Gewalt noch immer zum Alltag vieler Frauen“, sagt Christel Hofschröer. Und Sven Flügge ergänzt: „Frauen leiden in jedem Fall unter Gewalt, unabhängig von Kultur und Religionen.“

Erfasste Fälle im EN-Kreis im Jahr 2019:
  • Breckerfeld 5
  • Ennepetal 63
  • Gevelsberg 54
  • Hattingen 60
  • Herdecke 25
  • Schwelm 58
  • Sprockhövel 18
  • Wetter 20
  • Witten 94

Nur ein Bruchteil der tatsächlich stattfindenden Häuslichen Gewalt wird durch Einschaltung der Polizei sichtbar. Die Dunkelziffer in diesem Bereich ist enorm.

Istanbul-Konvention

Die Istanbul-Konvention ist ein völkerrechtlicher Menschenrechtsvertrag, der verbindliche Rechtsnormen gegen Gewalt an Frauen und gegen häusliche Gewalt schafft. Sie ist das erste völkerrechtliche Instrument im europäischen Raum zum Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Zweck des Übereinkommens ist es, Frauen vor allen Formen von Gewalt zu schützen und Gewalt gegen Frauen und Häusliche Gewalt zu verhüten, zu verfolgen und zu beseitigen. Hierbei sind sowohl Bund und Länder als auch die Kommunen gefordert, die Anforderungen der Istanbul-Konvention umzusetzen.

Die Istanbul-Konvention will die Rechte der Frauen stärken, ihre Umsetzung ist aber noch nicht so weit fortgeschritten, wie es notwendig wäre.

Die Notrufnummern

Polizeinotruf 110

Opferschutz 02336 - 91 66 29 56 / 0234 - 90 94 0 59

Frauenhaus.EN  02339 - 62 92

Frauenberatung.EN

Schwelm 02336 - 475 90 91

Witten 02302 - 525 96

Hattingen 02324 - 38 09 30 50

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 08000 - 116 016 (Tag und Nacht, anonym, in 17 Sprachen)

Weißer Ring 0151 - 55 16 47 77

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