Einzelansicht  - Stadt Witten

Denkmal des Monats Dezember: "Gartenstadt Crengeldanz"

Die Gartenstadt Crengeldanz. Foto: Jörg Fruck

In diesem Jahr wird an die älteste bekannte Erwähnung Wittens vor 800 Jahren erinnert. Grund genug, speziell auf die „alten Steine" in der Stadt einen liebevollen Blick zu werfen und herauszufinden, was man über sie – die Denkmäler der Stadt Witten – eigentlich weiß oder nicht weiß.

Jetzt geht das (Geburtstags-) Jahr zu Ende – und mit ihm die Serie „Unser Witten 2014 – Schon gewusst?" Florian Schrader von der Unteren Denkmalbehörde im Planungsamt der Stadt hat zum Abschluss viel Wissenswertes über die sogenannte „Gartenstadt Crengeldanz" zusammen getragen.

  • Schon gewusst? Die Gartenstadt Crengeldanz ist eine ehemalige Werkssiedlung und wurde in den Jahren 1913/14 von der Gartenstadt Crengeldanz GmbH im Auftrag der Westfälischen Straßenbahn GmbH für deren Angestellten errichtet. Die Lage in räumlicher Nähe zum damaligen Straßenbahn-Betriebshof in der Crengeldanzstraße bot den Vorteil, dass die Mitarbeiter fußläufig ihre Arbeitsstätte erreichen konnten. 

Die Planung und Bauleitung für die Siedlung lag beim Hochbauamt der Stadt Witten, insbesondere beim dort angestellten Architekten Banz. Bis auf ein Haus, dessen Baugenehmigung noch nicht vorlag, wurde die gesamte Siedlung in nur 5 Monaten „hochgezogen".

Die Architektur orientiert sich am Stil barocker bergischer Bürgerhäuser. Typisch sind vor allem die Schieferverkleidung, die grünen Schlagläden an den Fenstern und der Bruchsteinsockel, wodurch die Siedlung ein einheitliches Erscheinungsbild erhielt. Die Nachahmung des Barockstils findet sich in zahlreichen Details wie Eingangstüren, Eingangsüberdachungen und Ausgestaltung der Dachaufbauten als Glockengiebel wieder.

  • Schon gewusst? Diese Bauweise sollte zugleich eine heimatliche Verbundenheit symbolisieren und sich von der Schlichtheit anderer Arbeitersiedlungen abheben.

Jeder Wohnung wurden bestimmte Gartenflächen zugeordnet, die den Bewohnern zur Selbstversorgung dienten und für eine gut belichtete und begrünte Siedlung sorgten. Der Siedlungsgrundriss mit dem hohen Grünflächenanteil und dem zentralen Platz kann auf die Anfang des 20. Jahrhunderts populäre Gartenstadtbewegung zurückgeführt werden. Die damit verbundenen sozial- und gesellschaftsreformerischen Ideen, wie etwa Gemeinschaftseigentum, standen in Witten jedoch nicht im Vordergrund.

  • Schon gewusst? Die Siedlung besteht aus 38 Häusern mit insgesamt 73 Wohnungen, wobei es Gebäude mit 3 Wohnungen, mit 2 Wohnungen und Einzelwohnhäuser gibt. Wichtiges Identifikationsmerkmal ist ein zentraler Platz, um den sich die Anlage gruppiert.

Die ersten Bewohner der Siedlung waren fast ausschließlich Angestellte der Westfälischen Straßenbahn GmbH, als einziger Nicht-Straßenbahner wurde der Maschinenmeister Wilhelm Reizenstein aufgenommen, da er bei einer Zulieferfirma der Straßenbahn arbeitete und diese ein gutes Wort für ihn eingelegt hatte. Die meisten neuen Bewohner waren als Straßenbahnfahrer, Schaffner und Kontrolleure tätig, es waren aber auch zahlreiche Handwerker und Arbeiter des Betriebshofs dabei.

Im Zuge der großen Wirtschaftskrise ging die Westfälische Straßenbahn 1932 in den Konkurs und so wurde die „Gartenstadt Crengeldanz GmbH" 1934 aufgelöst. Die städtische Wohnungsgenossenschaft Witten-Süd übernahm die Gebäude, ab diesem Zeitpunkt war die Vergabe der Wohnungen nicht mehr an den Arbeitsplatz gebunden.

Während des 2. Weltkrieges war die Siedlung vor allem durch Luftangriffe auf die benachbarte Glasfabrik bedroht. Die Schäden blieben jedoch verhältnismäßig gering, da die leichte Fachwerkbauweise den Druckwellen der Bomben besser standhalten konnte als massive Gebäude.

Die zunehmende private Motorisierung in der Nachkriegszeit machte es für viele nicht mehr notwendig, in der Nähe ihres Arbeitsplatzes zu wohnen. Auf diese Weise wurde aus der Straßenbahnersiedlung nach und nach ein ganz gemischtes Quartier. Spätestens mit der Schließung des Betriebsbahnhofs Crengeldanz im Jahr 1969 entfiel der ursprüngliche Grund für den Bau der Siedlung an dieser Stelle.

Obwohl der Zahn der Zeit kräftig an der Gartenstadt genagt hatte, wurden ihre Qualitäten von den Bewohnern weiterhin sehr geschätzt und die Pflege sowie der Erhalt der Bausubstanz wurden mit breitem bürgerschaftlichen Engagement vorangetrieben.

  • Schon gewusst? Die Eintragung der Siedlung in die Denkmalliste der Stadt Witten erfolgte am 24. November 1989.

Das wurde von vielen begrüßt, die sich nicht zuletzt der liebevollen harmonischen Gestaltung wegen in der Siedlung heimisch fühl(t)en.

(05/12/14 – fs/lk)

 

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