Einzelansicht  - Stadt Witten

Denkmal des Monats Mai 2015: Das Zwangsarbeitslager „Westfeldstraße“ und KZ-Außenlager Buchenwald

Das Zwangsarbeitslager „Westfeldstraße“ und KZ-Außenlager Buchenwald. Fotos Jörg Fruck

Im Mai führt ein Blick in die Weltgeschichte zur Wahl eines „Denkmal des Monats“, das 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs an eine Zeit erinnert, von der immer weniger Menschen berichten können, die aber ein wachsames (Ge-)Denken braucht: Das Zwangsarbeitslager „Westfeldstraße“ und KZ-Außenlager Buchenwald ist ein Relikt des nationalsozialistischen Deutschlands, das in Witten auch insofern ein besonderes Denkmal ist, als es viele „Denkmalpfleger“ hat: „Der Erinnerungsort wurde unabhängig von allen städtischen Überlegungen, wie man ihn zu einer Gedenkstätte umgestalten kann, von verschiedenen Gruppen und Vereinen und auch in Zusammenarbeit mit den Partnerstädten als lebendiger Erinnerungsort gestaltet“, wissen Florian Schrader (Untere Denkmalbehörde im Planungsamt der Stadt Witten) und Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchivs Witten.

Der folgende Text ist den Informationstafeln auf der Fläche des heutigen Bodendenkmals entnommen und soll nicht anstelle eines Besuchs treten, sondern ermutigen, das Denkmal zu besuchen.

Zwangsarbeit in Witten während des Nationalsozialismus

Das nationalsozialistische Deutschland wäre ohne die Ausbeutung der Arbeitskraft von 13 Millionen kriegsgefangener und ziviler Zwangsarbeitskräfte sowie von KZ-Häftlingen nicht in der Lage gewesen, den von ihm begonnenen Krieg zu führen. Auch in Witten (mit Herbede) mussten zwischen 1939 und 1945 etwa 24.000 Menschen aus den deutsch besetzten Gebieten Zwangsarbeit leisten. Es waren Männer; Frauen und Kinder. Sie arbeiteten in der Industrie, im Bergbau, bei der Reichsbahn, in der Landwirtschaft, in Bauunternehmungen, in Handwerksbetrieben wie Bäckereien, Metzgereien, Friseuren, bei den städtischen Betrieben und auch in Privathaushalten. In der Endphase des Krieges betrug der Anteil der Zwangsarbeitenden etwa 45 Prozent an der gesamten Zahl der Arbeitskräfte in Witten. Zwangsarbeitende wurden in größeren oder kleineren Barackenlagern, werkseigenen Gebäuden, Gaststättensälen, Schulen oder einfachen Schuppen untergebracht. In Witten bestanden mehr als 200 solcher Lager. Sie wurden vom Werkschutz der Betriebe oder von der Wittener Polizei bewacht. Für die Bewachung des Außenlagers des KZ Buchenwald „Westfeldstraße“ war die SS zuständig. Am Arbeitsplatz wurden die Zwangsarbeiter von ihren Wittener Aufsehern, Meistern und Vorarbeitern bewacht und bestraft. Schwerstarbeit, gefährliche Arbeitsbedingungen, fehlender Unfallschutz, mangelnde medizinische Versorgung, fehlende Hygiene, chronische Unterernährung, mangelhafte Kleidung und ungeheizte Unterkünfte führten zu Arbeitsunfällen, zu Erschöpfung und Krankheit und häufig zum Tod. Bei Fluchtversuchen starben weitere Personen. Insgesamt überlebten über 600 Menschen die erzwungene Arbeit in Witten nicht. Auf dem Kommunalfriedhof Annen dokumentiert eine Tafel die Namen von 312 dort beigesetzten Zwangsarbeitern.

Das Bodendenkmal an der Westfeldstraße/Immermannstraße in Annen

Die ca. 2.600 m² große Fläche ist der Rest des Geländes, auf dem von 1941-1944 ein Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mit 14 Baracken sowie zwei Feuerlöschteichen bestand. Ab Mitte September 1944 bis Ende März 1945 wurde es auch als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald genutzt. Sowohl die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter als auch die KZ-Häftlinge wurden im Annener Gussstahlwerk, Stockumer Straße, zur Arbeit in der Rüstungsindustrie gezwungen.

Erhalten ist eine Reihe nach außen abgewinkelter Betonpfähle des damaligen Lagerzaunes. Er umgab den Bereich der Wachmannschaften. In der Fläche befinden sich Fundamente von Baracken. Ferner sind die Umrisse eines Feuerlöschteiches zu erkennen, dessen Einfüllung 1990/91 ausgegraben wurde. Dabei kamen zahlreiche Funde von Essgeschirren, Isolatoren, Patronenhülsen, Barackenschildern und Arbeitsmarken der Häftlinge zu Tage. Der kegelförmige Betonklotz in der Mitte der heute sichtbaren Fläche ist vermutlich das Überbleibsel eines Beobachtungsbunkers.

Die Wiederentdeckung der Lagerfläche im Jahr 1984 geht auf die Klasse 10 a des Albert-Martmöller-Gymnasiums zurück, indem sie die Öffentlichkeit mit einer Broschüre über diesen authentischen Ort von Zwangsarbeit und Vernichtung durch Arbeit im Nationalsozialismus aufrüttelte.  Die Stadt Witten griff die Initiative auf, erwarb das Grundstück, beauftragte historische und archäologische Untersuchungen und stellte die Fläche als Bodendenkmal unter Schutz. 1985 brachte die Stadt in Zusammenarbeit mit der Schulklasse ein Denk-Mal an, auf dem an die hier begangenen Verbrechen erinnert wird.

(30/04/15 – fs/mkf/lk)

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