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Sechs neue Stolpersteine erinnern in der Steinstraße an jüdische Bürgerinnen und Bürger

Alfred Felix Katz mit seiner Schwester Liesel um 1930, Foto: Lindemann, Repro J. Fruck, Quelle: Stadtarchiv Witten

Alfred Felix Katz mit und Liesel Katz um 1930, Foto: Lindemann, Repro J. Fruck, Quelle: Stadtarchiv Witten

Der Künstler Gunther Demnig verlegt am 12. November (Dienstag) ab ca. 10.10 Uhr sechs weitere Stolpersteine an der Steinstraße 25, die an jüdische Bürgerinnen und Bürger erinnern. Die würfelförmigen Stolpersteine tragen individuelle Inschriften. Dazu folgende Informationen des Stadtarchivs Witten:

Ein Stolperstein für Josef Kaufmann

Josef Kaufmann, geboren am 21. Mai 1870 in Stolberg, Kreis Aachen, war Kaufmann von Beruf und späterer Inhaber des Großhandels für Wollwaren und Trikotagen der Firma „A. Coppel und Nachfolger“ in Witten. Er hatte sich von Eschweiler kommend im Januar 1895 in Witten in der Bahnhofstraße 22 niedergelassen, wohin wenige Wochen später auch seine Ehefrau Helene zog. Das Ehepaar hatte fünf Kinder. Drei von ihnen starben bereits im Säuglingsalter. Der jüngste Sohn Alfred wurde nach schwerer Krankheit nur 19 Jahre alt. Nach dessen Tod 1921 zog Josef Kaufmann mit seiner Ehepartnerin und der Tochter Martha in das familieneigene Haus Steinstraße 25. Josef Kaufmann war aktives Mitglied und über mehrere Jahre stellvertretender Repräsentant der Synagogengemeinde Witten. Er soll sich besonders für die sozialen Belange der Mitglieder engagiert haben. Josef Kaufmann starb im Alter von 65 Jahren am 14. Januar 1936 im Evangelischen Krankenhaus in Witten. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof im Ledderken.

Patinnen und Paten der sechs Stolpersteine vor dem Haus Steinstraße 25 sind: Bündnis 90 Die Grünen, Ortsverband Witten, Piratenpartei Ennepe-Ruhr-Kreis, SPD Ortsverein Witten-Innenstadt und Dr. Jochen Stemplewski. Zwei Stolpersteine stifteten Studierende des IBAM (Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin der Universität Witten / Herdecke).

Text: Martina Kliner-Fruck, Quellen: Stadtarchiv Witten: u. a. Meldeinformationen, Gewerbekartei, Personenstandsunterlagen, Zeitzeugenberichte, Adressbücher; Kliner-Lintzen, Martina; Pape, Siegfried. „...vergessen kann man das nicht“: Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus, Bochum 1991, S. 111.

Ein Stolperstein für Helene Kaufmann geborene Ries

Helene Kaufmann geborene Ries kam am 19. Dezember 1867 als Tochter der Eheleute Minna Ries und des Moses Schmidts Abraham in Detmold zur Welt. 1895 heiratete sie Josef Kaufmann und zog von Steele, heute Essen, zu ihrem Ehemann nach Witten in die Bahnhofstraße 22. Helene Kaufmann wurde Mutter von fünf Kindern. Drei von ihnen starben bereits im Säuglingsalter. Nach dem Tod ihres Sohns Alfred, der mit nur 19 Jahren 1921 verstorben war, zog sie mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter Martha in die Steinstraße 25. Als ihr Ehemann 1936 verstorben war, verkaufte Helene Kaufmann unfreiwillig unter dem zunehmenden Verfolgungsdruck der Nazis das Haus Steinstraße 25 im September 1939. Im Juli hatte sie sich bereits nach Köln, Neue Maastrichter Straße 3 abgemeldet. Inzwischen lebte auch ihre Tochter Martha mit Familie in der Rheinstadt. Anfang Oktober 1942 wurde Helene Kaufmann im Alter von 74 Jahren mit ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihrer Enkelin ab Köln in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie überlebte die KZ-Gefangenschaft und kehrte nach ihrer Befreiung im September 1945 über Detmold nach Witten zurück. Hier war sie kurzzeitig in der Wiesenstraße gemeldet, bevor sie in ihre Geburtsstadt zurückzog. Helene Kaufmann starb im Alter von 81 Jahren im Februar 1949 in Detmold.

Patinnen und Paten der sechs Stolpersteine vor dem Haus Steinstraße 25 sind: Bündnis 90 Die Grünen, Ortsverband Witten, Piratenpartei Ennepe-Ruhr-Kreis, SPD Ortsverein Witten-Innenstadt und Dr. Jochen Stemplewski. Zwei Stolpersteine stifteten Studierende des IBAM (Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin der Universität Witten / Herdecke).

Text: Martina Kliner-Fruck, Quellen: Stadtarchiv Witten: u. a. Meldeinformationen, Gewerbekartei, Personenstandsunterlagen, Best. A, Ausgleichsamt, Sign. 155.2003.2.0791; Stadtarchiv Detmold: Auskunft Gudrun Mitschke-Buchholz; Kliner-Lintzen, Martina; Pape, Siegfried. „...vergessen kann man das nicht“: Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus, Bochum 1991, S. 111.

Ein Stolperstein für Theodor Katz

Hier wohnte auch der Handelsreisende und spätere Kaufmann Theodor Katz, genannt Theo. Er kam am 13. Mai 1882 in Nordhausen zur Welt. Theodor Katz zog im Juni 1922 von Gelsenkirchen nach Witten in die Steinstraße 25, nachdem er kurz zuvor Martha Kaufmann geheiratet hatte. 1923 wurde sein Sohn Alfred und 1926 seine Tochter Liesel geboren. Theodor Katz war u. a. Erster Vorsitzender des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens der Ortsgruppe Witten.

Mehrere Zeitzeugen berichteten, dass Theodor Katz in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in seiner Wohnung von Nazis überfallen und zum Humboldtplatz gejagt worden sei. Dort wollte man ihn auf einem Scheiterhaufen verbrennen. Ein Polizist soll Theodor Katz vor weiteren Misshandlungen gerettet haben. Aufgrund der Verdrängung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben musste Theodor Katz seinen Textilwarenhandel im Dezember 1938 zwangsweise aufgeben. Im April 1939 zog er unfreiwillig mit seiner Familie nach Köln in die Lothringerstraße 39. Anfang Oktober 1942 wurde er ab Köln mit seiner Ehefrau und seiner Tochter in das Ghetto von Theresienstadt deportiert. Am 23. Oktober 1944 verschleppte die SS den damals 62 Jahre alten Theodor Katz in das Vernichtungslager Auschwitz und ermordete ihn. Theodor Katz wurde 1953 durch Beschluss des Amtsgerichts Köln für tot erklärt. Auch an der Lothringerstraße 39 in Köln erinnert ein Stolperstein an Theodor Katz.

Patinnen und Paten der sechs Stolpersteine vor dem Haus Steinstraße 25 sind: Bündnis 90 Die Grünen, Ortsverband Witten, Piratenpartei Ennepe-Ruhr-Kreis, SPD Ortsverein Witten-Innenstadt und Dr. Jochen Stemplewski. Zwei Stolpersteine stifteten Studierende des IBAM (Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin der Universität Witten / Herdecke).

Text: Martina Kliner-Fruck, Quellen: Stadtarchiv Witten: u. a. Meldeinformationen, Gewerbekartei, Personenstandsunterlagen, Zeitzeugenberichte; Kliner-Lintzen, Martina; Pape, Siegfried. „...vergessen kann man das nicht“: Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus, Bochum 1991, S. 109; Onlineversion des Gedenkbuchs Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945.

Ein Stolperstein für Martha Katz geborene Kaufmann

Martha Katz geborene Kaufmann wurde am 15. November 1896 in Witten in der Bahnhofstraße geboren. Ihre Mutter war Helene Kaufmann geborene Ries, ihr Vater Joseph Kaufmann. Drei ihrer vier Geschwister starben im frühen Säuglingsalter. Martha besuchte zunächst die Volksschule und von 1906 bis 1912 das Städtische Lyzeum, heute Schiller-Gymnasium. 1921 zog sie mit ihren Eltern in das familieneigene Haus Steinstraße 25. Ihr fünf Jahre jüngerer Bruder Alfred war kurz zuvor verstorben. 1922 heiratete Martha Kaufmann in Witten den aus Nordhausen stammenden Theodor Katz. Ein Jahr später brachte sie den Sohn Alfred Felix und 1926 die Tochter Liesel zur Welt. Im April 1939 musste die Familie Katz aufgrund des rassistischen Verfolgungsdrucks durch die Nazis zwangsweise Witten verlassen und zog nach Köln. Von dort wurde Martha Katz mit ihrem Ehemann, ihrer Tochter und ihrer Mutter Anfang Oktober 1942 in das Ghetto Theresienstadt und zwei Jahre später am 23. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet. Sie war damals 47 Jahre alt. Martha Katz wurde 1953 durch Beschluss des Amtsgerichts Köln mit Wirkung zum 31. Dezember 1945 für tot erklärt. In Köln erinnert an der Lothringer Straße 39 ebenfalls ein Stolperstein an Martha Katz.

Patinnen und Paten der sechs Stolpersteine vor dem Haus Steinstraße 25 sind: Bündnis 90 Die Grünen, Ortsverband Witten, Piratenpartei Ennepe-Ruhr-Kreis, SPD Ortsverein Witten-Innenstadt und Dr. Jochen Stemplewski. Zwei Stolpersteine stifteten Studierende des IBAM (Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin der Universität Witten / Herdecke).

Text: Martina Kliner-Fruck, Quellen: Stadtarchiv Witten: u. a. Meldeinformationen, Gewerbekartei, Personenstandsunterlagen; Kliner-Lintzen, Martina; Pape, Siegfried. „...vergessen kann man das nicht“: Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus, Bochum 1991, S. 108; Onlineversion des Gedenkbuchs Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945.

Ein Stolperstein für Alfred Felix Katz

Alfred Felix Katz kam am 30. Juni 1923 als Sohn der Kaufleute Theodor und Martha Katz im Haus Steinstraße 25 zur Welt. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er Schüler am heutigen Ruhr-Gymnasium. Als Jugendlicher war Alfred Felix Katz Mitbegründer der jüdischen Pfadfindergruppe in Witten. Mit der sozialen Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aus der Mehrheitsgesellschaft und aus dem deutschen Wirtschaftsleben verloren seine Eltern ihre wirtschaftliche Existenz in Witten. Er selbst durfte – weil er Jude war – ab dem Mitte November 1938 keine „deutsche“ und damit keine öffentlichen Schulen mehr in Witten besuchen. Ende Dezember 1938 beantragte seine Mutter für ihn beim Standesamt in Witten den jüdischen Zwangsvornamen „Israel“, der ab dem 1. Januar 1939 für männliche Juden verpflichtend war. Im April 1939 zog Alfred Felix unfreiwillig mit seinen Eltern und seiner Schwester Liesel nach Köln in die dortige Lothringerstraße 39. Alfred Felix Katz gelang 1939 die Flucht nach England und weiter nach Melbourne, Australien, wo er später als Kaufmann tätig wurde. Er starb 1978 in McKinnon im australischen Bundesstaat Victoria.

Patinnen und Paten der sechs Stolpersteine vor dem Haus Steinstraße 25 sind: Bündnis 90 Die Grünen, Ortsverband Witten, Piratenpartei Ennepe-Ruhr-Kreis, SPD Ortsverein Witten-Innenstadt und Dr. Jochen Stemplewski. Zwei Stolpersteine stifteten Studierende des IBAM (Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin der Universität Witten / Herdecke).

Text: Martina Kliner-Fruck, Quellen: Stadtarchiv Witten: u. a. Meldeinformationen, Personenstandsunterlagen, Best. A, Ausgleichsamt, Sign. 155.2003.2.0791; Kliner-Lintzen, Martina; Pape, Siegfried: „...vergessen kann man das nicht“. Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus, Bochum 1991, S. 109.

Ein Stolperstein für Liesel Katz

Liesel Katz wurde am 31. Oktober 1926 als jüngstes Kind der Kaufleute Martha und Theodor Katz im Haus Steinstraße 25 in Witten geboren. Als sie 12 Jahre alt war, musste sie die damalige Kleinstadt Witten verlassen. Denn ihre Familie war infolge der rassistischen NS-Politik ihrer wirtschaftlichen Existenz beraubt worden. Zudem bestand seit Mitte November 1938 für jüdische Kinder das Verbot, eine öffentliche Schule zu besuchen. Liesel Katz hatte somit auch keine Chance mehr auf eine Schulausbildung in Witten, denn die jüdische Volksschule war bereits 1932 aufgelöst worden. Also zog Liesel unfreiwillig im Frühjahr 1939 mit ihren Eltern nach Köln in die Lothringerstraße 39. Drei Jahre später, Anfang Oktober 1942, wurde sie mit ihren Angehörigen ab Köln in das sogenannte Ghetto von Theresienstadt verschleppt. Von dort aus ging am 23. Oktober 1944 ein Deportationszug in das Vernichtungslager Auschwitz, wo Liesel Katz im Alter von knapp 17 Jahren ermordet wurde. Auch in Köln erinnert ein Stolperstein an die ehemalige Wittenerin.

Patinnen und Paten der sechs Stolpersteine vor dem Haus Steinstraße 25 sind: Bündnis 90 Die Grünen, Ortsverband Witten, Piratenpartei Ennepe-Ruhr-Kreis, SPD Ortsverein Witten-Innenstadt und Dr. Jochen Stemplewski. Zwei Stolpersteine stifteten Studierende des IBAM (Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin der Universität Witten / Herdecke).

Text: Martina Kliner-Fruck, Quellen: Stadtarchiv Witten: u. a. Meldeinformationen, Personenstandsunterlagen, Zeitzeugenberichte; Kliner-Lintzen, Martina; Pape, Siegfried: „...vergessen kann man das nicht“. Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus, Bochum 1991, S. 110; Onlineversion des Gedenkbuchs Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945.

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