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Drei Könige: Stadt erläutert den bisherigen Verlauf und den aktuellen Sach- und Kostenstand

Drei Könige

Vieles war in den vergangenen Tage über die innenstadtnahe Brachfläche „Drei Könige“ zu lesen und zu hören: über die geplanten Bodenarbeiten als Voraussetzung für eine spätere Gewerbeansiedlung, über das Auffinden von Bauwerksresten, über die archäologische Sicherung des Fundes (Gewölbe der ehemaligen Steinhauser Hütte und der Bessemer Hütte, beide ca. 1854/55-1920), und über damit verbundene Kosten.

Stand heute: Kosten sind bisher im kalkulierten Bereich

Den finanziellen und zeitlichen Aufwand für die aktuellen Arbeiten kann natürlich niemand präzise benennen. Klar einordnen möchte die Stadt aber, wie sich die Entwicklung „Drei Könige“ tagesaktuell – Stand 23. Februar – darstellt: „Noch sind die Kosten der Entwicklung im kalkulierten Bereich“, sagt Stadtbaurat Stefan Rommelfanger.

Rund 2 Mio. Euro waren für den Straßenbau (1 Mio. Euro) und für die Bodenarbeiten (ca. 1 Mio. Euro) im Haushalt veranschlagt. Beim Straßenbau hat sich am kalkulierbaren Kostenrahmen nichts geändert. Die Bodenarbeiten schlagen zur Stunde mit schätzungsweise 970.000 bis knapp über 1 Mio. Euro zu Buche. Diese Summe setzt sich aus geplanten und ungeplanten Kosten zusammen: Den Löwenanteil machen die rund 800.000 geplanten Euro fürs Bodenmanagement aus (420.000 Euro für die Nordfläche und weitere 350.000 Euro für die Südfläche, jeweils inklusive Wiedereinbau aller ausgekofferten Böden). Dazu kommen die unvorhergesehene Kosten: Für die archäologischen Grabungsfirmen werden nach tagesaktueller Erkenntnis Kosten in Höhe 150.000 bis 200.000 Euro geschätzt. Der Gutachter kostet 50.000 Euro.

Mit archäologischen Arbeiten hatten die städtischen Projektbeteiligten aus Gründen (siehe „Unerwartete Funde“) nicht gerechnet. Aber sie waren professionell-realistisch und haben für alle Aspekt der Grundstücksentwicklung die genannten Haushaltsmittel veranschlagt. Bliebe es beim heutigen Kostenstand, könnte die Stadt das Grundstück ohne Einbußen verkaufen. Und zwar als „sicheres Grundstück ohne Restrisiko“, betont Anja Reinken, Leiterin des Amtes für Bodenmanagement. Nicht auszudenken, man hätte das Grundstück unbearbeitet verkauft, es würde bebaut und womöglich würden Teile eines Gebäudes einstürzen und Personen verletzt werden. Kein Szenario, das man sich „leisten“ möchte. Dass der mögliche Erlös mit jedem weiteren Euro an Kosten geringer wird, man eventuell mehr zahlt als einnimmt, hat derzeit niemand in der Hand. Ohne als klamme Kommune den Erlös-Wunsch geringschätzen zu wollen, sei aber auch daran erinnert, dass ein relevanter Wert der Fläche in ihrer späteren Nutzung besteht. Unternehmen sollen an Witten gebunden werden.

Einfluss haben die städtischen Projektbeteiligten jedoch auf Koordinierung und Zügigkeit der Maßnahmen, was ebenfalls kostenrelevant ist. „Sind alle Arbeiten gut aufeinander abgestimmt (Bodenmanagementfirma, 15 Archäologen, Straßenbau und Entwässerung), entstehen keine kostensteigernden Pausen oder Nachbearbeitungsbedarfe“, erklärt Rommelfanger.

Was bisher geschah – und warum…

Unerwartete Funde: Dass es beim Aufbereiten des Grundstücks mit schwerem Gerät zwei Tagesbrüche geben würde, war nicht absehbar. Nach Aussage der vorliegenden Gutachten (Altlastenuntersuchungen, Baugrunduntersuchung, Fundamentrecherche und Aufbereitungskonzept) sollten die unterirdischen Gebäude alle bereits in der Vergangenheit abgebrochen worden sein.

Einbinden von Archäologen des LWL: Dass nun beim Verdichten der Fläche doch Bauwerksreste gefunden wurden, führte dazu, dass die Stadt Witten den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eingeschaltet hat, weil dessen Archäologen für Westfalen und somit für Witten zuständig sind.

Vorläufiger Denkmalschutz: Nach erstmaliger Ortsbegehung am Rosenmontag und bei weiteren Terminen stellte der LWL fest, dass auf der Fläche „Drei Könige“ ein bedeutendes Zeugnis der frühindustriellen Geschichte Wittens entdeckt worden ist. Das bedeutet: Nach den Kriterien des § 2  des Denkmalschutzgesetzes NRW hat es Witten mit einem ortsfesten Bodendenkmal zu tun.  Die Grabungsstätte steht jetzt für sechs Monate unter vorläufigem Denkmalschutz.

Dokumentationspflicht: Das Denkmalschutzgesetzverpflichtet die Stadt, eine sachgerechte Dokumentation durchzuführen. Hierzu muss auf kommunale Kosten eine geeignete Grabungsfirma beauftragt werden. Tatsächlich sind seit dem 19. Februar sogar zwei Fachfirmen mit den Grabungsarbeiten beauftragt, um zügig voran zu kommen. Die fachliche Begleitung/Aufsicht  dieser Firmen erfolgt durch den LWL, der sich auch innerhalb von 24 Stunden darum gekümmert hatte, diese Kontakte für die Stadt Witten herzustellen.

Dokumentationsinteresse: Parallel hat die Untere Denkmalbehörde der Stadt Witten (angesiedelt beim Planungsamt) in Kooperation mit dem Stadtarchiv umgehend alle historischen Pläne ausgehoben und digitalisiert. „Witten ist nicht nur die Wiege des Bergbaus im Ruhrgebiet, sondern nimmt auch in der Eisen- und Stahlverarbeitung von der frühen Zeit der Industrialisierung bis heute eine bedeutende Position ein. Für die Geschichte und das Selbstverständnis unserer Stadt ist das Bewusstsein für die industrielle Vergangenheit daher von unschätzbarem Wert“, sagt der städtische Denkmalpfleger Florian Schrader. Historische Gewinne und Nutzungsinteressen stehen auf Drei Könige letztlich in keinem Widerspruch, es ist ein Nacheinander: Erst erfolgt die Archäologie, damit dann das Grundstück verwertet werden kann.